Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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M r. 1:0. Zweite Phase des Christenthums. und Bestrebungen genau Rechenschaft giebt, geht über den Stifter der neuen Richtung, wie über diese selbst, mit völligem Stillschweigen hinweg. Die wenigen Zeilen, welche sich in der gegenwärtigen Gestalt seines Buches als Erwähnung des Stifters vorfinden, kennzeichnen sich zu deutlich als späteres absichtliches Einschiebsel; die kurzen Worte stehen in dem vollständigsten Widerspruche mit dem Charakter des ganzen Buches, stehen da ohne allen Zusammenhang, ein aufgeflickter Lappen, nicht das Werk eines planvoll seine Aufgäbe bearbeitenden Schriftstellers. Innerhalb Palästina's hatte diese Richtung auf keine besondere Verbreitung zu rechnen, die unteren Klassen des Volkes, die wundersüchtig sind und wundergläubig, die zurückgestoßen waren von den Höherstehenden und sich daher gerne an ein Neues anklammern, sie hatten sich zunächst mit der neuen Richtung befreundet und sich ihr angeschloffen. Diese wundersüchtige Volksklaffe schafft sich ihre erfüllten Wunder mit der größten Leichtigkeit, in üppigster Fülle. Die neue Richtung wurde daher von dem Aberglauben der damaligen unteren Klassen fast ganz überwuchert. Der Glaube an Dämonen, die in Unzahl überall verbreitet sind, als böse Geister die Luft verpesten, in die Menschen hineinfahren und sie berücken, aus denselben aber auch durch Beschwörungen wieder gelockt werden können, — dieser krasse Dämonglaube tritt in alten jüdischen Schriften allerdings hie und da auf, aber er bildet keineswegs den Kern und Mittelpunkt. Aber gerade solche Begebenheiten nehmen einen gar großen Theil ein von den Berichten aus der Zeit des entstehenden Christenthums; die Erzählungen von dem Werk des Teufels, wie er die Menschheit besitze, seine Schaaren als Dämonen einfahren und die Besessenen wieder geheilt werden, überfluthen fast den ganzen übrigen Inhalt. So in Palästina. In anderer Weise gestaltete es sich allerdings unter den außerhalb Palästinas wohnenden Juden. Die Juden lebten nämlich nicht blos in Palästina, sie bildeten schon seit alter Zeit zahlreiche Gemeinden unter den Griechen und breiteten sich immer mehr dort aus, je trüberdie Verhältnisse im eigenen Lande wurden. Dort war allerdings tiefes Mitgefühl für die Leiden der Brüder in der Heimath Vorhandensein jedes Leid, das das Vaterland, die Urstätte, betraf, fand im Herzen dieser griechischen Juden den tiefsten Wiederklang, sie schauten mit Ehrfurcht hin nach der geheiligten Stätte, die ihnen immer der Mutterboden blieb. Aber die Kämpfe selbst hatten sie