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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 43

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 43 (sequence 46)
Language
German
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1. ^10. Erste Phase des Christenthums. 43 gönnen habe, daß der Messias bereits erschienen sei, daß er zwar innerhalb dieser, der alten Welt, gestorben, habe sterben müssen, aber auch auferstehen werde, auferstanden sei und bald wiedererscheinen werde in den Wolken des Himmels, um die neue Welt vollständig einzurichten, um die gesammte Menschheit unter das Gottesreich zu beugen und außerhalb der gegenwärtigen zerklüfteten und in sich zerfreffenen bürgerlichen Gesetze eine neue Menschheit hervorznrufen. Das war eine neue Richtung, die, innerhalb des Judenthums und zwar vollständig auf jüdisch-pharisäischem Standpunkte stehend, nun hcrvortrat. Das Neue an ihr war eben, daß das, was von allen Seiten, wenigstens von dem größeren Thcile der Gesammtheit innerhalb des Judenthums als ein Zukünftiges, als ein weit in die Zeit hin Entlegenes, daher auch nur in unbestimmten Umrissen betrachtet wurde, nun als bereits vollkommen in Erfüllung gegangen, als baldigst in seiner vollen Herrlichkeit hervortretend geglaubt wurde. Das war die erste Stufe des Christenthums. Einer besonderen Verbreitung konnte sich diese Richtung im Judenthume und namentlich in Palästina nicht erfreuen. Die alte Zeit war allerdings für die Juden eine trübe und harte; daß die alte Welt untergehen müsse, war ein Glaube, in dem sie Trost und Kraft fanden: aber daß sie wirklich bereits untergegangen sei, daß eine neue Welt bereits angebrochen, der Schritt aus der Phantasie in die Wirklichkeit war ein großer, und die Thats sachen stritten dagegen gar zu gewichtig und einschneidend. Nein, erschienen ist die zukünftige Welt noch nicht, wenn wir sie auch sehnlichst und sicher erhoffen, war der allgemeine Ausspruch. Man hatte überhaupt auch viel zu schwere Sorgen, als daß man phantasiereich sich einbilden konnte, die Zukunft sei eine wirkliche und gegenwärtige; jeder Tag brachte seine neue Plage, so oft die Sonne aufging, beschien sie einen neuen Kampf und neue Widerwärtigkeiten, es galt alle Kraft anzuwenden, nicht um sich Speculationen hinzugeben und einen Glauben zu befestigen, der Ideale der Zukunft zu gegenwärtiger Realität stempelte, sondern die wirkliche Gegenwart drängte mit ihrem Drucke und ihren Lasten. So verbreitete sich innerhalb des palästinensischen Gebietes der Glaube der erfüllten Messiashoffnung sehr wenig. Der Geschichtsschreiber jener Zeit, Josephus Flavins, während er alle früher genannten Richtungen ausführlich bespricht, namentlich auch diejenigen, welche vor Kurzem entstanden waren, die des Juda aus Gaulonitis, dann des Theudas, der Eiferer, von Personen

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