Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0693-2421771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 1. ro. Die Entwickelung des Ehristenthums. Jesu waren dadurch wohl Anfangs betäubt, aber in ihrem Glauben nicht erschüttert. Natürlich, diese Welt geht ihren Gang, auch er stirbt, diese Welt muß ihn hassen, sie hat noch eine kurze Gewalt; aber das Himmelreich erscheint, dann ersteht er wieder, an ihm vollzieht sich zuerst die Auferstehung, die dann allgemein erfolgt. Diese Ueberzeugung war ja schon während seines Lebens herrschend, sie konnte durch seinen Tod nicht erschüttert werden, sie mußte im Gegentheile noch lebendiger in den Vordergrund treten. Er muß auferstehn, er ersteht sicherlich aus, und bald schritt man zu dem Ausspruche: Er ist auferstanden, er ist in den Himmel gefahren und wird, gehüllt in die Wolken des Himmels, wieder erscheinen, bei der allgemeinen Auferstehung, bei dem Eintritt des Himmelreiches. Dieser Entwickelungsgang ist ein ganz natürlicher, durchaus nichts ist an ihm auffallend, und die Jünger sehen ihn, harren auf seine glorreiche Wiederkunft Tag für Tag. Dies die erste Anlage zur Entstehung des Ehristenthums, der Keim, aus dem der mächtige Baum hervorwächst, dem noch andere Factoren hinzutreten, um die anfänglich schwache Secte allmälig zur herrschenden Macht umzugestalten. 10. Die Entwickelung des Christentums. Neben den bestehenden verschiedenen Richtungen innerhalb des Judenthums, neben dem Sadducäismus, dem Pharisäismus mit der tiefgehenden Bewegung in demselben, dem Essäismusden Kannaim, Zeloten oder Eiferern, den Anhängern des Juda aus Gaulonitis und so manchen anderen kleinen Schattirungen, die sich innerhalb dieses kleinen Staatsgebietes vorfanden, — ein Zeichen tiefster Aufregung aller Kräfte, eines eben so heftigen bürgerlichen wie geistigen Kampfes, — neben diesen verschiedenen Richtungen entstand nun und zwar zunächst auf dem Boden des pharisäischen Judenthums eine neue Richtung: die des erfüllten Messianismus. Die Uebersetzung dieses Wortes ist eben Christcnthum; Maschiach, der Gesalbte, nannte man den König, der erwartet wurde, um die zukünftige Welt zu inauguriren, mit Zerstörung der ganzen diesseitigen alten Welt die Zustände herbeizuführen, in denen Gott allein König sein, durch diesen Gesalbten verkündet und eingeführt, das Reich des Himmels oder das Gottesreich zur Herrschaft gelangen wird. So trat der Glaube an das verwirklichte Messiasthum oder Christenthum mit dem Anspruche auf, daß die neue Welt nun wirklich beginne oder bereits be-