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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 40

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 40 (sequence 43)
Language
German
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40 l 9. Die Entstehung des Christenthums. geblickt wird, was die Erde darbietet, so wurde dies eine krankhafte Richtung sein, wenn es nicht seine Erklärung fände in dem Glauben, die zukünftige Welt, ganz anders gestaltet, sei bereits int Anzuge. Wenn gar angebliche Sittlichkeit das Rechtsgcfühl vollkommen unterdrücken will, wenn die Vorschrift gelten soll: Wenn Dir Einer einen Streich auf die eine Wange giebt., reiche ihm auch die andere hin. Du sollst nicht blos dulden, sondern Dich selbst alles Ehrgefühls entkleiden, und ferner: Wenn Dir Einer den Rock nimmt, gieb ihm auch das Unterkleid dazu: wenn dies die neue Lehre ist, die Jesus verkündet hat, — Jesus, so hieß der Stifter, die griechische Aussprache des Namens Josua, wie auch Josua, Sohn Nnn's, von den griechischen Uebersetzern Jesus genannt wird, und ebenso Jesus Sirach, — wenn dies die neue von ihm verkündete Lehre ist, dann ist sie entweder die Frucht einer in sich gebrochenen Zeit, die auch alle E)rdnungen verkehrt, alle Ncchtsbegriffe zerstört, oder auch sie stammt aus der Versetzung einer zukünftigen ganz anders gearteten Welt Ln das Diesseits. So trat die erste Anregung auf, in welcher zwar nicht eine neue Religion sich zeigt, in welcher jedoch der Antrieb zu derselben lag. Es war der Glaube an die erfüllten messianischen Hoffnungen im pharisäischen Judenthume, wie er Ln der damaligen Zeit lag. Was sonst noch über den Stifter des Christenthums berichtet wird, gehört Ln diejenige Reihe von Sagenbildung, die wir bereits früher uns klar zu machen versuchten. Wenn die Sage eine Persönlichkeit nicht schärfer zeichnet, nicht aus dem innersten Wesen des Menschen schöpft und ihn dadurch enthüllt, indem sie ihn verherrlicht, wenn sie ihn im Gegentheile so ausschmückt, daß er ganz und gar unkenntlich wird, cmporgehoben über alle scharf ausgeprägte Individualität, ihn zu einer Abstraction verflüchtigt: dann ist die Sage ein Gebilde der Phantasie, das fortwuchernd aus den dunkeln Trieben der Zeit schafft und in immer dichteres Dunkel hüllt. Daß dieser erste Stifter des Christenthums gläubige Anhänger gefunden, lag ganz in der Zeit. Zunächst waren es auch nicht die Gebildeten und Einsichtsvollen des Volkes, die ihm anhingen. Ein kleiner Kreis, namentlich in Galiläa, der sehr tief stand und von dem Kern der Bevölkerung ziemlich verachtet war, zum großen Theile Personen, welche als Gehülfen der Negierung, als Zöllner, die die Steuern eintrieben für das verhaßte Weltreich, sie, auf denen die ganze Wucht der Verachtung lag, die man von allen Seiten mied.

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