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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 39

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 39 (sequence 42)
Language
German
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1. 9. Die Entstehung des Christenthnms. 39 mehr gefreit. Als ein Pharisäer das hörte, fand er, daß diese Antwort eine gute sei, und er fragte: Meister, was ist das vornehmste Gebot? und jener erwiderte: Das Eine ist: Höre Israel, Gott ist unser Herr, Gott ist einzig (diesen Anfang der Antwort finden wir nur bei Markus, die Anderen haben — ein bedeutsamer Fingerzeig! — ihn zurückgelassen) und: Du sollst lieben Gott Deinen Herrn mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller Kraft. Ein zweites Gebot das ist eben so wichtig: Du sollst lieben Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Ein Neues ist darin nicht ausgesprochen. Und der Pharisäer erwiderte: Du hast gut gesprochen; Gott als einzig zu erkennen, das ist das Höchste, ihm mit aller Innigkeit angehören und den Nächsten wahrhaft zu lieben, das ist besser als Vrandopfer und alle sonstigen Opfer. Der Pharisäer hatte durchaus keine Ein- Wendungen zu machen; was er gehört hatte, war übereinstimmend mit seinen Überzeugungen. Die Antwort des Pharisäers berichtet wieder nur Marcus in solcher Form; die Anderen, die späteren Berichterstatter, gestalten sie nach ihren Zwecken um. Wenn dem Stifter als specifische Lehre in den Mund gelegt wird, Gott sei ein Gott der Liebe und nicht des Zornes und der Rache, so ist dies wiederum eine spätere Zuthat, die wir nicht in dem treuesten Berichterstatter finden. Was war dem Worte Hillel's: Der Gnadenreiche neigt die Schale zur Gnade, noch hinzuzuthun? Sind die Aeußerungen, die in den rein sittlichen Verhältnissen der Menschen gegen einander wurzeln, wirklich treu berichtet, so finden wir in ihnen entweder nichts Neues, oder das Neue tritt in einer gewissen krankhaften Weise auf, wie es einer kranken Zeit angehört. Du sollst liehen Deinen Nächsten wie Dich selbst, das war ein Wort, bei dein der Pharisäer ausricf: Du hast gut gesprochen, Meister. Doch es wird auch die Armuth gepriesen und die Verachtung der Welt gelehrt, die Verachtung alles dessen, was das diesseitige Leben erzeugt, ein fröhliches Eingreifen in die Welt wird geschmäht; das lehrt allerdings der Pharisäismus nicht, er stellt vielmehr die Lehre auf: Diese Welt ist ein Vorhof für die zukünftige, bereite Dich tut Vor- Hofe wohl vor, daß Du im Gastzimmer wohlausgerüstet erscheinen magst. Süßer ist eine Stunde in der zukünftigen Welt als alle Genüsse Ln dieser, aber auch werther eine Stunde in dieser Welt mit der Lehre und guten Werken als alles Behagen in der zukünftigen. Wenn nun aber wirklich dieses frische und fröhliche Ergreifen der Welt in Redlichkeit und Ehren verschmäht, mit Verachtung aus Alles

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