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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 37

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 37 (sequence 40)
Language
German
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j. 9. Die Entstehung:des Christenthums. 37 lich in jenem Theile des Volkes der herrschende ist, welcher die allgemeinen Einflüsse Llos aufnimmt, ohne von den innersten bewegenden Ueberzeugungen vollkommen sich klar Rechenschaft geben zu können. Die Galiläer waren, wenn ich so sagen darf, die Marseillcr des jüdischen Kampfes, der damals hochgehenden Bewegung. In Galila'a war cs, wo die äußersten Versuche auch den vollsten Beifall fanden. War man dort zum Aufruhr geneigt, so war auch der Glaube, daß diese Welt zusammenbricht und eine neue Welt, die zukünftige, alsbald erscheint, ein Gedanke, wie er schwärmerische Gemüther, Menschen, die weniger denken, als glühend empfinden, so sehr anspricht, dort gleichfalls herrschend und er entflammte sie leidenschastlich. Dort mag wohl auch Johannes aufgetreten sein mit den Worten: Thuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe. Das Himmelreich ist eben die zukünftige Welt, die diesseitige Herrschaft der Religiosität, das Zerbrechen aller weltlichen Bande, der unberechtigten Herrschaft des Hcidenthums, dem nun einmal diese Welt verfallen ist. So waren die Gemüther aufgeregt, vorbereitet für die wunderbarsten Erscheinungen. Da trat wiederum ein Mann auf in Galiläa, der noch zuversichtlicher der Bewegung der Zeit den Ausdruck verlieh. Während Andere vor ihm blos aufforderten, sich für das Himmelreich vorzubereiten, verheißend, daß es kommen werde, es werde ein Menschensohn, gehüllt in die Wolken des Himmels, erscheinen, es werde eine vollständige Umgestaltung sich entwickeln, während Andere blos als Propheten und Verkünder dieses Glaubens austraten, mit dieser Hoffnung ihre Phantasie erfüllten, ohne ihr wirkliche Gestalt geben zu können, hatte er den Muth und die Zuversicht, es auszusprechen: Die Zeit ist erfüllt, das Himmelreich ist gekommen und der Menschensohn, gehüllt in die Wolken des Himmels, — er sprach es zuerst nicht bestimmt aus, aber er trug diesen Glauben in sich, er ließ ihn überall durchschimmern, — dieser Menschensohn bin ich selbst. Einen Kampf zu führen gegen das Reich dieser Welt, war nicht seine Aufgäbe; der Ausspruch, den ein späterer Berichterstatter ihm beilegt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, mag vollkommen seinem Glauben entsprochen haben. Er bedeutet: Mein Reich beginnt nicht in der gegenwärtigen heidnischen Welt; allein diese Welt wird bald in Trümmer geborsten sein, die zukünftige Welt dann leiblich, faßlich erscheinen, und da wird auch mein Reich beginnen. Davon war. er vollkommen überzeugt, und zu allen Zeiten tiefen Druckes begegnen

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