Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0685-2421763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 I. 9. Die Lage in Zudäa. die großen Mächte, welche austreten gegen die Heiligen des Höchsten, in ihrer ganzen Furchtbarkeit gezeichnet, aber er richtet den sinkenden Muth auf mit den Worten: Dann erscheint ein Menschensohn, gc* hüllt in die Wolken des Himmels, ihm werden alle Reiche sich unterwerfen, ihm alle Völker gehorsam sein und viele von denen, die im Staube schlafen, werden erwachen und auferstehn, die Einen zum ewigen Leben, die Anderen zur ewigen Schmach. Diese Welt ist nun einmal in sich vollkommen zerstört, eine zukünftige, nicht etwa eine jenseitige, sondern eine diesseitige Welt wird erscheinen, an der auch die alten Frommen, nun auferstehend, sich betheiligen; das Gottesreich wird nun eintreten, oder das Himmelreich, wie es gleichfalls Daniel benennt. Die Makkabäer traten nun freilich nicht als solche Menschensöhne, gehüllt in die Wolken des Himmels, auf, sie waren Krieger und endeten als Sieger; auch das Ziel, das im Gesichte gesteckt wurde, war nicht erreicht worden, die Völker gehorchten ihnen nicht, alle Reiche willfahrten ihnen nicht, aber Judäa war selbständig geworden. Für die Besonnenen und Thatkrästigen war ein Ziel erreicht, und jene Hoffnungen für die Zukunft traten in den Hintergrund. Allein wiederum war eine Zeit eingebrochen, die Zeugin war wilder Plünderungen und Verwüstungen und noch Aergeres befürchten ließ; wieder lastete ein noch mächtigerer Feind mit weit entschiedenerem Drucke auf Israel, wiederum sollte nicht blos die äußere Macht des Staates gebrochen werden, ja war bereits gebrochen, sondern auch das innere Geistesleben drohte geknickt zu werden. Der Bilder- und Götzendienst sollte im Judenthume wieder heimisch werden, die Kaiser sollten als Götter, als Divj^erehrt, ihre Bildsäulen in ׳den Tempel gestellt werden. Selbst die Fahnen, mit den Adlern des römischen Reiches geschmückt, auf deren Flug hingeschaut wurde, erschienen den Juden als von götzendienerischer Bedeutung; sollten diese Adler ja selbst an den Pforten des Tempels prangen, und ihre Herunternähme ward mit dem Tode bestraft! Da bemächtigte sich wieder Verzweiflung der Gemüther, das religiöse Bewußtsein war so mächtig, alle Lebensverhältniffe beherrschenderstarkt und dennoch sollte cs in der Wirklichkeit niedergedrückt werden. Da trat jener alte, nur kurz zurückgedrängte Gedanke vollkommen wieder in den Vordergrund: Das Himmelreich wird und muß kommen, diese Welt ist dem Bösen verfallen, sie ist eine Welt des Heidenthums und dem Untergänge geweiht; mag sie untergehen, die zukünftige Welt folgt alsbald. Das Himmelreich tritt ein, die Frommen erstehen wieder und ihnen