Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 9. Die Lage in Judäa. 33 vom Auslande auferlegt wird. Es giebt nur ein Reich, war seiu Wahlspruch, das ist das Himmelreich, das ist die Regierung Gottes. Wenn die vaterländische, gottgläubige Macht gebrochen ist, sie vor dem heidnischen Unglauben sich beugen soll, dann ist die Welt aus ihren Fugen, sie muß Ln Trümmer gehen, unsere Pflicht bleibt es, uns dieser Weltmacht nicht zu fügen. Eine Münze zu berühren^ auf der das Bild des römischen Kaisers geprägt war, war in seinen Augen eine Sünde, die Steuer zu entrichten dem fremden Volke, war ein. Verbrechen, die Verträge anzusertigen nach der damals üblichen Form: unter dem Consulate des und jenes oder unter dem Proeurator N. N., erschien ihm als eine Gotteslästerung, als ein Verrath am Vaterlande. Wie, sprach ein galiläischer Ketzer, wie uns die alten Lehrer erzählen, wie könnt Ihr Pharisäer Euch als Fromme betrachten? Ihr schreibt in den Verträgen den Namen des Herrschers neben den des Moses, wenn es heißt am Anfang: In diesem Jahre des Herrschers, und am Schlüsse: Nach dem Brauche Mosis und Israels? Wenn der Name des Ungläubigen so Ln Verträge gesetzt wird, die religiöse Bedeutung haben, ist das Frömmigkeit? Die Pharisäer wiesen solche Uebertreibung freilich ab, aber im Volke fanden die Aufreizungen tiefen Nachhall, so daß vereinzelte Empörungen daraus entstanden und neue Sectenbildungen sich daran anlehnten. Josephus nennt wirklich die Anhänger dieses Juda aus Gaulonitis als eine vierte Secte neben den Pharisäern und Saddncäern und einer dritten, die wir gleichfalls noch kurz ins Auge fassen werden, den Essäern. Zu einer solchen Bedeutung hatte sich die Partei der Eiferer erhoben. In ähnlichem Sinne wirkte später ein anderer Sectenführer, Theudas; auch er kam aus Galiläa, stistett Empörungen und fand zahlreiche begeisterte Anhänger. Daß die Anführer ans Kreuz geschlagen wurden, schadete ihrem Ansehen nicht, ihre Gesinnung verbreitete sich nur um so mehr. Diese damals in Judäa herrschende Stimmung, wild ausbrechend in Thaten des Fanatismus, hatte ihre alte geistige Grundlage, die nun um so mehr sich befestigte und kräftigte. Schon zur Zeit, da der Makkabäerkampf ausgebrochen war, war ein Gedanke allgemein verbreitet, der in der vollen Sicherheit des eigenen Glaubens wurzelte, gepaart minder verzweifelten Gewißheit, jetzt nicht durchdringen zu können. Dieser Gedanke machte in dem Ausrufe sich geltend: Diese Welt bricht zusammen, die zukünftige Welt muß bald erscheinen. Im Daniel, der uns diese Ereignisse im Gesichte mittheilt, werden Vierteljahresschrift. III. I. 2. 3 «