Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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32 1. 9. Die Lage in Judäa. Aber in einer Zeit, wie es die damalige war, vermochten Manner dieser Art zwar ihr Ansehn zu wahren, doch dem Volke zu genügen nimmermehr. Rom pochte mit eiserner Faust an die Pforten Jerusalems, um dieselbe dann zentnerschwer auf die Nacken zu legen, man hörte längst schon die Donner rollen, bevor das Gewitter in seiner ganzen Fürchterlichkeit losbrach. Es ist ein schöner Spruch, den die alten Lehrer uns überliefern: Vierzig Jahre bevor der Tempel zerstört wurde, öffneten sich die Pforten desselben und man vermochte sie nicht mehr zu schließen. Mag es sich damit verhalten, wie es wolle, jedenfalls ist der Gedanke darin ausgesprochen, daß׳ schon ein Menschenalter, bevor die Katastrophe eintrat, die Blicke ängstlich darauf hinschauten und die Ueberzeugung sich feststellte: Es bricht ein verzweifelter Kampf los, der Kampf muß durchgefochten werden, sollte er auch ein unfruchtbarer sein. In solchen Zeiten erscheint die besonnene Maßhaltung in den Augen des Volkes nicht als Tugend. Es wählt sich ganz andere Männer zu seinen Lieblingen, Männer, die mit brennendem Eifer auftreten, mit einer bis zur Raserei gesteigerten Glaubens- und Vaterlandswuth, denen ein jedes Mittel recht ist, wenn es nur zum Ziele zu führen scheint, die auch ohne zu überlegen, ob die Mittel ausreichen, ob nicht, welches das Resultat sein werde, Alles anwenden, um nur der Heftigkeit ihrer Empfindungen zu genügen, mag der Untergang auch dadurch beschleunigt werden. Solche Männer erstanden und die damalige Zeit belegte sie bereits mit dem vollkommen bezeichnenden Namen: Kannaim, Zeloten, Eiferer. An ihrem Glaubenseifer nährten sie einen nicht zu beschwichtigenden Haß gegen die tyrannische Herrschaft, die ausländische Beeinflussung; bei der" Unzulänglichkeit der ihnen zu Gebote stehenden Mittel trugen Viele von ihnen kein Bedenken, auch diejenigen Mittel als erlaubt anzuwenden, die in ruhigen Zeiten mit sittlicher Entrüstung verworfen werden. Diese hießen auch die Sikarier, sie trugen den Dolch versteckt unter dem Mantel und stießen heimlich einen Jeden nieder, der das Wort der Mäßigung aussprach, der dadurch verdächtig erschien als den Feinden verkaufter Verräther. Sie standen in so zahlreichen Verbindungen, das Volk war ihnen in so hohem Grade zugethan, daß die gesetzliche Macht es nicht wagen durfte, Hand an sie zu legen. Empörungen entstanden in diesem Sinne. Juda aus Gaulonitis, ein Galiläer, erklärte es als Verbrechen, als Verleugnung der Religion, diesem Reiche zu folgen, in irgend einer Weise sich zu beugen unter die weltliche Herrschaft, die