Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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30 1. S. Dke Lage w Judäa. als der Lebensnerv des eigerien Geistes rmd auch zugleich der ganzen weltgeschichtlichen geistigen Bewegung, als Ziel und Mittelpunkt betrachtet, als das Heiligste verehrt werden, wahrend der Widerspruchder von anderer Seite bald laut bald durch absichtliches Stillschweigen erhoben wird, nicht minder entschieden ist und gleichfalls in der ganzen Lebensauffassung wurzelt. Nun wird sicher ein Jeder, der in dem großartigen Gange der Weltgeschichte überall das Wehen des göttlichen Geistes verspürt, auch Ln einem weltgeschichtlichen Ereignissedas so bedeutsam umgestaltend auf alle Verhältnisse eingewirkt hat, in einem Glauben, der mindestens fünfzehn Jahrhunderte die gebildete Welt beherrschend unter sich beugte, ein göttliches Walten verehren, er wird׳ eine Religion mit Ehrerbietung beurthcilen, an der sich Millionen erquickt und erhoben haben und noch erheben. TheilL er nun dennoch die Ueberzeugung nicht, daß in diesem geschichtlichen Ereignisse der geistige Mittelpunkt des ganzen weltgeschichtlichen Lebens zu verehren sei, daß nun eine ganz neue geistige Schöpfung eingetreren, mit ihr früher ungeahnte Gedanken die Welt erleuchteten, sie von nun an Trägerin und Stütze ward eines neuen Weltgebäudes, die kräftige Wurzel eines neuen geistigen Lebens: so drängt sich die Aufforderung an ihn heran, daß er seinen Widerspruch rechtfertige und sich darüber erkläre, wie er denn die Eigenartigkeit der Vorgänge deute. Dann muß es ihm aber auch gestattet sein, daß er, in Bescheidenheit zwaraber doch mit aller Unbefangenheit seine Auffassung aussprcche, unbekümmert, ob ein Wort ihm entschlüpfe, das nach der einen oder der anderen Seite hin unangenehm klingt. Wer an sich selbst die freie, redlich gewonnene Ueberzeugung achtet und die freie Meinungsäußerung anspricht, gerade in ihr den rechten Mannesmuth ehrt, wird hoffentlich auch Anderen ein solches Recht nicht versagen, er wird den Ausspruch der freien Ueberzeugung ruhig aufnehmenwenn sie auch der semigen noch so sehr widersprechen sollte. Ein großes weltgeschichtliches Ereigmß bricht heran und wir haben uns zuvörderst die Weltlage, zunächst innerhalb des Judenthums; nochmals recht lebendig zu vergegenwärtigen. Eine große Bewegung dev Geister war in Judäa, zum Theile eine sehr gesunde. Das reformatorische Wirken HLÜel's befreite die Geister aus der kleinlichen Sucht, sich im Kampfe mit der Priesterkaste selbst priesterlich zu umkleiden; der Pharisäismus war in eine Entwickelungsstufe eingetreien, auf der er den lebendigen Geist des Judenthums in sich wahrhaft wehen ließ, wenn auch, wie bei einer jeden solchen Reformbeftrebnng,