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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 29

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 29 (sequence 32)
Language
German
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29 1. 9. Die Lage in Judäa. So war der Mann, so ward er ein Restaurator oder ein Neformator des Judenthums, und seine Wirksamkeit hat Einstuß bis au den heutigen Tag. Von der Sonderfrömmigkeit hielt er nichts: ״Sondere Dich nicht ab von der Gesammtheit", wolle Du nicht ganz besonders fromm sein; die Anderen als Abtrünnige aufgeben und sich im Glanze der Sonderfrömmigkeit bespiegeln, ist unsittlich. Er hielt nichts von der Zellenreligiofität, er war ein Mann des Lebens und hat das Leben des Judenthums auf alle Weise gekrästigt und gehoben. Wie die Zeit sich weiter gestaltet haben würde, wenn die ruhige Entwickelung des Judenthums ihren Gang so fortgesetzt hätte, darüber Vermuthungenanzustellen, ist etwas Ueberflüssiges. Die ruhige Entwickelung war ihm nicht gegönnt, es traten große Weltereignisse ein, zwei Ereignisse, die freilich zusammengenommen noch nicht den Herz- und Mittelpunkt der Weltgeschichte bilden, die aber jedenfalls große Umwälzungen erzeugten, ich meine: die Entstehung des Christenthums und die Auflösung des jüdischen Staates. 9. Die Parteien. Entstehung des Christenthums. Ist es an sich schon eine schwierige Aufgabe, darzustellen, wie der religiöse Geist in die Menschheit sich eingesenkt und dort Wurzel geschlagen hat, die geheimen Gänge aufzuzeigen, durch welche seine Entwickelung hindurchzog, die verschiedenen Gestaltungen, in die er sich ausprägte in den Wechselfällen des äußeren geschichtlichen Lebens, und dennoch die Einheit festzuhalten des religiösen Gedankens: so steigert sich die Schwierigkeit dieser Aufgabe gar sehr, wenn man an einen Wendepunkt gelangt in der Geschichte, der von tief eingreifenden Folgen ist, mit dem eine weltgeschichtliche Umgestaltung beginnt. Gerade die verschiedenen treibenden und bewegenden Kräfte, welche zusammenwirkten, um eine gewissermaßen neue Schöpfung in die Welt einzuführen, wirken so innerlich, daß sie sich dem Blicke verbergen und nur in ihren äußeren Erfolgen kundgeben. Ans unscheinbaren Anfängen, die zuerst auf kleinen Kreis beschränkt, hat mit einem Male eine neue geistige Macht sich entwickelt, und wir müssen sie in ihre verschiedenen Ausgangspunkte verfolgen, aufmerken, wie die Wege sich verschlingen und Zeitumstände damit sich begegnen, welche dieser Entwickelung günstig sind. Und noch eine neue Schwierigkeit tritt dazu. Es handelt sich hier um geschichtliche Ereignisse, die sich zu innersten!Überzeugungen gestalten, die von den Einen

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