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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 26 (sequence 29)
Language
German
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26 . 8. Hillel. das Dritte betrifft, daß er der Tradition das Wort redet, so ist das wiederum sein volles Wesen, er ist der Mann der lebendigen FortenLwickelung, er will, daß das Leben in seiner Arische maßgebend und gestaltend einwirke. . * Hillel erkennt den Menschen nach seiner Innerlichkeit, aber auch nach den Ansprüchen des Lebens. Er pflegt gern Rath mit seiner Seele. Er eilt, wie die Erzählung schön lautet, aus dem Lehrhause, um einen lieben Gast zu pflegen. Seine Schüler fragen ihn: Wer ist denn der Gast, lieber Meister, den Du Tag für Tag in Deinem Hause beherbergst? Der Gast, antwortet er, ist meine eigene Seele, die muß immer zurückgedrä'ngt werden im Verkehre mit der Welt, aber sie verlangt auch ihr Recht. Das ist echte, tieft Innerlichkeit. Aber dabei war er nicht empfindsam und schwärmerisch, er erfaßte vielmehr frisch das Leben in seiner Schönheit Und Bedeutung. Es war ein langer Streit zwischen den Schulen Schammai's und Hittel-s, die Einen sagten, recht Ln ihrer finsteren Weise, es wäre dem Menscheu besser, er wäre nicht geboren, als daß er geboren ist; die Anderen sagten, es ist besser dem Menschen, daß er erschaffen ist, er ist zur Thätigkeit da, die Erde ist der Schallplatz seines Wirkens. Sie mußten in gewissem Sinne nachgeben, die Anderen waren die Machtigeren, aber die Nachgiebigkeit bestand darin, daß sie sagten: Run, geschaffen sind wir einmal, darum seien wir thätig und prüfen sorgsam unser Thun. Frisch das Leben erfassen, war der Wahlspruch Hillens. Schammai, wenn er ein Gutes fand in der Mitte der Woche, sprach er: Das sei für den Sabbath; Hillel sagte: Gepriesen sei Gott Tag für Tag, heute ist ein. Tag, an dem ich durch Gottes Güte mich erfreuen will, der andere wird es auch bringen. Er erkannte die Berechtigung und die Ausgabe einer jeden Zeit an, und die Verschiedenheit der Zeiten ward auch Maßstab für sein Wirken. Zur Zeit, sagte er, wenn man einsammelt, wenn man Alles gern mit religiösen Einrichtungen umkleidet sieht, dann magst Du ausstreuen, laß die Formen dann recht üppig wachsen, zur Zeit aber, wenn ausgestreuL wird, wenn man diese Einrichtungen und Formen wegwirst, da ziehe Du ein, da sei bereit und willig zur Nachgiebigkeit, laß ab davon, gewaltsam aufrecht zu erhalten oder gar zu erweitern. Das war der Grundgedanke, von dem Hillel ausging, und all tein Wirken wie seine Aussprüche zeugen dafür; Hillel stellt uns das Bild dar eines — das Wort wixd ihn nicht entweihen, es wird ihn

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