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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 25 (sequence 28)
Language
German
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1. 8. Hiüel. 25 Wir erkennen in solchen Geschichten das ganze Wesen dieses Mannes. Wenn man glauben wollte, daß, weil er auf gewisse Vorzüge der Priester nach der heiligen Schrift hingewiesen,, er deswegen ein Priesterfreund gewesen sei, so wäre das sehr irrig. Er beließ es bei dem, was nicht abzuändern war, aber den Kampf gegen das Priesterthum hat er gerade mit aller Entschiedenheit durchgeführt, die Schranken ihrer Bevorzugung recht eng gezogen. Seine Angabe, was Grund und Wesen des Judenthums ist, stellt uns den Mann ganz nach seiner Sinnesart dar: das Wesen ist Menschenliebe und gegenseitige Anerkennung, ist Achtung des Menschen in seiner Würde und Ebenbürtigkeit, das ist Grund und Wurzel, das Andere ist Erklärung. Glauben Sie vielleicht, die Sage habe hier dem Hillel einen Zug angedichtet aus dem Leben des Stifters einer anderen Religion? Das wäre an stch schon ganz widernatürlich, daß man ans einer anderen Religion, noch dazu ans einer gehässigen Tochter- Religion, Aussprüche aufnehme, auf welche diese als ihr ausschließliches Eigenthum pocht; man bekämpft sie weit eher und sucht sie zu entwerthen. Der späteren starren Gesetzlichkeit war der Ausspruch auch gar nicht so homogen, daß sie ihn erfunden hätte, ja daß er ihr nicht vielmehr im Gegentheile hinderlich gewesen wäre. Aber abgesehen davon, lernen Sie nur unfern Hillel näher kennen und Sie werden sehen, daß dieser Ausspruch seinem Charakter vollständig entspricht. Schon früher ist der Kanon aufgestellt worden: Denkt sich der Mensch Gott als allerbarmend, als allgütig, so erkennt er auch Wohlwollen und Liebe gegen seine Mitmenschen als Grund- Pflicht. Hören Sie nun, wie sich unser Hillel Gott denkt: Es giebt drei verschiedene Arten unter den Menschen, die vollkommen frommen, die mittleren, die vollkommen bösen. Es wird einst ein Gerichtstag sein über die Menschen, die vollkommen Frommen werden alsbald sich ihres Lohnes erfreuen, die vollkommen Bösen ihrer Strafe verfallen, aber wie ist es mit den Mittleren? Ueber sie sagt die Schule Schammai's, die kommen zuerst in die Hölle, werden der Strafe hingegeben, doch sehnsüchtig schauen sie empor und klagen, aümälig steigen sie hinauf. Nicht also, sagt Hillel, was die Mittleren betrifft, so neigt Er, der groß an Gnade ist, die Waage zur Gnade hin. Wer sich seinen Gott so denkt, der legt auch an den Menschen den höheren Maßstab, der lehrt auch die Liebe zur Gesammtheit. Das liegt demnach ganz im Wesen Hillens, es ist der Grundzug seiner ganzen Richtung, keine Erdichtung, daß er so gesprochen. Was nun «V

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