Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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LL י- ». Hillel. Darstellung die Bedeutung HLllel's wohl erfaßt ^rnd gekennzeichnet Sie sagen: Die Thora war vergessen wordenda kam Esra ans Babel und gründete sie wieder neu, die Thora wurde wiederum vcrgessen, da kam Hillel aus Babel und gründete sie neu. Vergessen war sie sicher nicht zu Hillel's Zeilen, aber sie war erstarrt, sie hätte ihre Lebenskraft eingebüßt, ihren Einfluß verloren auf die spätere Entwickelung, wenn nicht Hillel als der Mann der tieferen Einsicht und»des inneren religiösen Lebens die Verjüngung bewirkt hätte. Es mag sein, daß auch mit einem gewissen Nachdrucke von der babylonischcn Gcmara betont wird, Esra und Hillel seien aus Babel gekommen, denn die Männer des babylonischen Thalmud hielten sehr auf Babel trotz dem Drucke, dem sie auch dort. unterlagen; auch darin mag eine Wahrheit liegen, daß grade Männer, die nicht ganz Ln den augenblicklichen palästinischen Verhältnissen anfgegangen waren, eine fremde Lust cingeathmet, vielleicht auch großartigere Verhältnisse geschaut haben, daß sie grade besonders dazu geeignet waren, den neuen Volksgeist zu erwecken.. Genug! Hillel war der Mann, der auf das Judenthum entschieden einwirkte. Hillel ist eine vollkommen geschichtliche Persönlichkeit; der Bericht über ihn mag wohl mit mancher Sage umgeben sein, aber in diesen Sagen ist er nur klarer gezeichnet, sein Bild ist uns durch sie nicht verhüllt. An jeden bedeutenden Mann knüpfen sich Sagen auch in der geschichtlichsten Zeit, es werden von ihm Anekdoten, pikante Erzählungen und Ereignisse mitgetheilt, die vor dem Richterstuhl der Geschichte nicht immer bestehen können, allein sie ergeben sich aus seinem Charakter, man muß von ihnen sagen, daß, wenn sie nicht wirklich geschehen sind, sie doch ganz mit dem Wesen dieses Menschen harmoniren. Sagen dieser Art sind nicht Erdichtungen, sie sind ein Werk echter Dichtung, es wird hinabgestiegen in den Herzensgrund eines solchen Menschen und es werden Perlen heraufgeholt, die sich wirklich dort befinden und nur zufällig nicht ans Tageslicht gekommen sind; ihre scharfgeschnittene Persönlichkeit tritt dadurch nur deutlicher hervor. Wie der Dichter, wenn er auch die Geschichte nicht ganz treu wiedergiebt, den Charakter seines Helden dennoch treu zeichnet, indem er dieses hinznfügt, jenes anders gestaltet, und grade dadurch das Wesen uns klarer und deutlicher erscheinen läßt, so macht es auch die gesunde Volkssage mit Persönlichkeiten, die so bestimmt in die Geschichte eingetreten sind, daß die Sage sich aufs Engste an sie anlehnen muß, ihre Physiognomie-richt verwischen