Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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r. 8. Nom. St hier sind gleichfalls׳ Söhne Deines Volkes, sie sind gegen einander erbittert, höre nicht das Gebet Jener gegen Diese, nicht die Verwünschungen Dieser gegen Jene!" Das Volk steinigte ihn. DaS ist eine Frucht des echten jüdischen Geistes, ein Mann, der zu den edelsten Märtyrern gezählt werden darf. . Erglüht von wahrer Menschen- und Vaterlandsliebe, bleibt er seiner Ueberzeugung treu im Angesicht des sicheren Todes. Er entweiht nicht sein Wort trotz der Wuth und dem Ingrimm, die ans ihn schauten. Ob den Lippen dieses Edlen, als er seine Seele anshauchte, nicht auch das Gebet entströmter Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun? Die Sage berichtet nichts darüber — denn blos die Sage kann Aehnliches erzählen, die Worte des Verscheidenden hört Niemand — seine Gesinnung war gewiß eine solche. Aber die Bitterkeit dieser Kämpfe sollte bald zu einer Existenzfrage sich steigern. Ein Volk tritt in die Weltgeschichte ein, das bald die größte Bedeutung erlangte und überall einschneidend und entscheidend Hand anlegte. Der Löwe wird als dem Katzengeschlechte ungehörig betrachtet. Ja, Rom war ein Löwe. Es schlich zuerst schlau und freundlich heran, war ein vermittelnder Bundesgenosse, um dann über die Hinzustürzen, die seine Freunde sein sollten, erst die Oberherrlichkeit sich anmaßend, nachher das Volk in vollständige Abhängigkeit hinabdrückend. Als Rom mit Judäa sein Katzen-Löwcnspiel begann, fühlte das Volk, daß ein mächtiger Feind naht. Da regten sich die Geister wieder neu, das Streben, sich zu erfrischen, ward mächtiger, die Parteikämpfe erlangten höhere Bedeutung, vertieften sich mehr. Herodes war gehaßt, gefürchtet als Fremder und als Tyrann, doch hätten vielleicht seine Vorzüge diese Schattenseiten in den Augen des Volkes verdeckt, seine Kraft hätte imponirt. Was ihn jedoch immer zum Fremden stempelte, den Haß immer neu anfachte, das war, daß er als Satellite Roms erschien, daß er immerfort nach Rom hinschante und von dort sich Begünstigungen erwarb. In solchen Zeiten treten Männer auf, welche die volle Volksseele in sich wiederspiegeln und zur Darstellung bringen wollen. Ich nenne Ihnen einen Namen, der freilich in der Weltgeschichte nicht mit dem׳ Glanze umgeben ist, wie mancher andere, und cs dennoch verdient, in seiner hohen Bedeutung erkannt und gewürdigt zu werden. Wie sich an Moses die Offenbarungslehre, wie sich an den Namen Esra's die Tradition knüpft, so an den Namen Hillel's die Verjünaung des Judenthums; Die Thalmudisten haben in ihrer naiven.