Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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20 1. 8. Innere Kämpfe. im Parsismus vorhanden, auf das Judenthum eingewirkt haben/cs würde ihn nimmermehr ausgenommen haben, wenn nicht Ln seiner inneren Entwickelung der Drang dazu vorhanden gewesen wäre. Grade die Pharisäer, die Männer, die für die Umwandlung der Zustände kämpften und sie nicht erreichen konnten, grade sie mußten sich die Zukunft gestalten als die Verwirklichung ihres gegenwärtigen Sehnens. Die Saddueäer, mit ihrer Gewalt zufrieden, eine Umgestaltung nicht verlangend, ja ihr entgegenstrebend, verwarfen darum auch den Glauben an die Auferstehung des Leibes. Ob sie darum wirklich als Ungläubige verdammt werden können, das ist eine Frage, die ich Ihrer Beantwortung getrost überlassen darf, eher als der Entscheidung manches Gerichtshofes. Der Kampf zwischen Sadducäern und Pharisäern entbrannte so auf dem Felde des bürgerlichen Lebens wie im Gebiete des religiösen immer heftiger, er griff in Alles ein, beherrschte die ganze Anschauungsweise. Je ernster und trüber die staatlichen Verhältnisse sich gestalteten, um so mehr vertiefte sich auch die innere Differenz; die bedrohliche Krisis, Ln welche das Volk gestürzt wurde, rief auch alle gesunde Volkskraft auf. Wie zur Zeit der Makkabäerkämpfe das Volk erwachte, da das Ausland es vollkommen Niederdrücken wollte, so ging es auch Ln der folgenden Geschichte des Judenthums. Kämpfe verschiedenster Art wütheten im Innern, selbst , in der königlichen Familie, die einzelnen Söhne eines verstorbenen Königs traten bei nicht vollkommen geordneter Erbfolge als Prätendenten auf, die mit einander im Streite lagen, das Ausland wurde angerufen zur Entscheidüng, zur Unterstützung des Einen oder Anderen. Das steigerte die Unzufriedenheit mit der Gegenwart und deren Vertretern. Daß der echt religiöse Geist Ln den Edlen dennoch nicht erstickt war unter diesem Hader, dafür genüge nur ein einzelnes Beispiel. Bei einem dieser Kämpfe zwischen zwei Prätendenten, Hyrkan und Aristobul, als die Anhänger des Einen, worunter die Priester, sich im Tempel befestigt hatten, während die Andern ihn belagerten, beide von der heftigsten Parteilcidenschast erfüllt, da ward ein frommer Mann/der bei denen draußen sich befand — er hieß Onias, bekannt in den thalmudischen Schriften unter dem Namen Choni Ha-Meaggel — ein Mann, dessen Gebet man große Erfolge zuschrieb, aufgefordert, er solle für den Sieg der Draußenstehenden, für das Unterliegender iul Tempel Befindlichen beten. Er aber betete: ״Herr der Welt, Vater im Himmel, drin sind Deine Priester, Söhne Deines Volkes,