Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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\. 8. Zukünftige Welt. 19 ist und nicht abgeschnitten wird. Aber in den Vordergrund drängte es diesen Glauben nicht, es bezeichnete diese Erde nicht als ein Jammerthal, malte nicht den jenseitigen Lohn aus; es verlangte nie, daß man diese Erde zerstöre als ein Nichtiges und Sündiges, es wollte nicht, daß das Erdenleben geknickt werde, weil es blos eine Prüfung sei. Diese krankhafte, sentimentale Stimmung kennt das Judenthum nicht.' Daß es den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele in sich trägt und weiter entwickelt, dafür bürgt selbst der grübelnde Verfasser des Koheleth; er spricht zwar darüber, wie über alles Andere seine Bedenken aus, aber grade, daß er sie ausspricht, ist ein Zeugniß dafür, daß der allgemein verbreitete Glaube war: Der Geist des Menschen steigt nach oben. Es kehrt der Staub zur Erde zurück, wie er gewesen, der Geist aber kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben. So ist dieser Glaube kräftigend, veredelnd, ermannend, ohne dir Gegenwart zu tödten und niederzudrücken. Allein es waren Zeiten gekommen, wo die Gegenwart eine sehr trübe war, wo man sich nicht befriedigt fühlen konnte mit dem, was sie darbot. Man sah auf die eigenen Bestrebungen und auf den Gegensatz dazu in der Wirklichkeit; man sah auf seine Kräfte, die die eigenen Bestrebungen durchführen sollten, und erkannte ihre Unzulänglichkeit. In solchen Zeiten ist es natürlich, daß man sich tröstend zuruft: Nur unverzagt! Was gegenwärtig sich nicht erfüllt, es wird doch in einer besseren Zeit Gestalt gewinnen. Es muß eine andere Zeit herankommen und zwar in der diesseitigen Welt, in der die Zustände mit einem Male sich geändert haben. Das Priesterthnm, riefen die Pharisäer, wird sinken, ein Nachkomme aus dem Hause David wird regieren, das Volk wird gekräftigt sein, das Volksleben die Früchte entwickeln, nach denen wir uns sehnen. Es kommt eine andere Welt und auch wir werden an ihr thcilnehmen. Man begnügte sich nicht damit, daß die Zukunft erfüllen wird, was die heiße Lust der Gegenwart erzeugt hat, man wollte selbst, da man in der Gegenwart nichts genossen hat, in der Zukunft mitgenießen. Das ist die Wurzel des Glaubens an die zukünftige leibliche Auferstehung. Dieser Glaube ist allerdings auch im Parsismus vorhanden, und die Juden mögen bei ihrem Aufenthalte in Persien mit diesem Glauben bekannt geworden sein; Spuren aus früherer Zeit jedoch finden sich nicht, das Buch Daniel giebt uns davon die erste Kunde/ und dieses Buch gehört eben der Zeit an, in die der innere, schneidende Kampf fällt. Mag nun auch dieser Glaube, als 9*