Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 1. 8. Zukünftige Welt. und so lange Opferwesen und Tempel blieb, konnten ihm auch -seine Diener nicht entzogen werden. In solchen Zelten, in denen der Erfolg des Kampfes nicht gesichert erscheint > indenen man mit aller Entschiedenheit zwar die Waffen führt, den Sieg vor Augen sieht und dennoch an demselben zu verzweifeln anfängt, richten sich die Blicke der Menschen auf die Zukunft hin. Gesunde Zeiten, gesunde Völker haben das entschiedene Bewußtsein ihrer geistigen Kraft, sie fühlen die Unendlichkeit und Ewigkeit des Geistes bereits in der Gegenwart; die tüchtige geistige Kraft ist so mächtig, daß sie, alles Endliche überwiegend, keiner weiteren Bürgschuft für sich bedarf. Gesunde Zeiten, gesunde Völker kommen nicht darauf, den Geist als ein schwächliches Gebräu zu betrachten, als ein Gemisch von Stoffwechsel, Nervensast und Blutkügelchen, sie sind sich ihrer geistigen Selbständigkeit, der siegenden Macht, die in derselben liegt, der Bestimmtheit und Gesondertheit des Geistes vollkommen bewußt. Aber eben deshalb denken sie nicht immer an die Zukunft, träumen nicht, wie es sich später gestalten wird, bereits in der Gegenwart tragen sie die geistige Macht mit ihrer siegenden Kraft in sich, eine jede Minute ist für sie eine Unendlichkeit, da in ihr der Entwickelungsstoff liegt für alle späteren Zeiten. Solche Zeiten und solche Völker blicken auf die Zukllnft als auf ein nothwendigcs Ergebniß der Gegenwart, wohl wissend, daß, was sie lebendig bewegt, seine Verwirklichung finden wird und muß, da es ihnen nun schon ein geistig Gegenwärtiges ist. Krankhafte Menschen, krankhafte Zeilen oder Religionen denken unablässig an die Zukunft, stellen diese in den Vordergrund. Aus der Gegenwart, in der sie der Macht entbehren, den regen Wunsch zu verwirklichen, flüchten sie in die Aukunst, zu der sie einen natürlichen Uebergang nicht finden, die sie um so heißer ersehnen, um so ausgeschmückter sich erträumen. Es wird anders werden, ist ihr ewiger Trost; je schwächer das gegenwärtige Vertrauen, je kühner die dichtende Phantasie für eine glänzende Zukunft. Das Judenthum kennt solche Schwächlichkeit nicht, es hat die tiefe und innerste Ueberzeugung von dem vollen, geistigen Leben, die Ebenbildlichkeit des Menschen, ihm von Gott ausgeprägt, ist ihm keine andere, als eine geistige. Die Bestimmtheit, mit der immer von der geistigen Macht gesprochen wird, sowohl von dem geistig lebendigen Gott als von dem durch den Geist lebendigen Menschen, diese Liefe Ueberzeugung, von der alle Schriften durchweht sind, ist Bürge für den Glauben des Judenthnms, daß der Geist ein ewiger