Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 17 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0668-2421746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. 8. Sadducäer und Pharisäer. 17 Darstellung passend, und entsprechen, tiefer erfaßt, derselben doch vollkommen. Sie mußten, um den Priestern entgegen zu treten, für Alle das in Anspruch nehmen, was das Priesterthum auszeichnete, fie wollten Anderen keine größeren Pflichten zuerkennen, um ihnen ,auch keinen Vorrang einräumen zu müssen. Wir sind, sprachen sie, eben so heilig, stehen eben so hoch da, wir ihr. Setzen wir den Fall, eine spätere Zeit erfahre nur oberflächlich, es sei einst ein Kampf darum gewesen, ob alle Klassen des Volkes die Vertheidigung des Vaterlandes übernehmen sollten, und daß grade die früher davon Defreiten sich in den Vordergrund drängten und es mit aller Entschiedenheit nicht dem Adel, den Rittern, die bisher allein eingestanden mit Leib und Leben für die Sicherheit des Staates, ferner mehr überlassen wollten: dann möchte Mancher denken, das seien eben Raufbolde, die sich auch in den Krieg stürzen wollten und sich nicht begnügten, daß Andere statt ihrer die Fehde ausfechten. Wäre diese Beurtheilung eine gerechte? Gewiß nicht. Die Klassen, welche jenes negative Privilegium, die Bevorzugung der Theilnahmlosigkeit, hatten, treten mit dem Ansprüche auf: Wir wurzeln ebenso im Vaterlande, haben das gleiche Recht und auch die gleiche Pflicht, ihr sollt keine höheren Pflichten erfüllen, um darauf Bevorrechtnngen zu stützen, um euch als die Grundsäulen des Staates hinzustellen; wir sind gleich bereit, dieselben Ofer zu bringen. In derselben Gesinnung wurzelt der Kampf der Pharisäer gegen die Sadducäer, und daher dieselbe Bereitwilligkeit, priesterliche Erschwerungen zu übernehmen. Dieser ernste, einschneidende Kampf wurde oft mit unzulänglichen Mitteln geführt. Auch diese Erscheinung wiederholt sich häufig in der Geschichte. Die Aufstrebenden tragen die volle Kraft der Idee in sich und können sie doch nicht verwirklichen. Die Sadducäer waren einmal die Vornehmen, mit allen Stellen betrarü, entweder selbst Priester, die doch immer geachtet blieben, oder mit den Priestern verbunden, sie sonnten sich nun einmal an der Gunst des Hofes, der zwar hie und da auch den Pharisäern die Hand reichte, wenn es nöthig war, der aber doch in der Lust der Sadducäer sich ganz anders behaglich fühlte. Sie waren einmal im Besitze und mußten theilweise in demselben verbleiben; denn so entschieden auch der Kampf der Pharisäer gegen besondere Vorrechte des Pricsterthums gerichtet war, insofern sie auch auf das bürgerliche Leben, auf den rechtlichen Zustand sich erstrecken wollten, so konnten sie das Priesterthum als solches nicht abschaffen, es hatte seine Berechtigung in der Geschichte, Viertrljahrcsschrift. III. I. 2. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.