Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16 1. 8. Saddueäer und Pharisäer. wir andererseits ankämpfen, bald die Grundlage, auf der wir ruhen, bald die Schranke, deren Beengung wir fühlen und zu brechen bemüht sind. Wollen wir ein bestimmtes Urtheil gewinnen über die wichtigsten Fragen der Vergangenheit und Gegenwart, so muß das unsichere Tasten bei der Erklärung jener Erscheinung innerhalb des Judenthums des zweiten Tempels aufhören. Es sei endlich genug über Saddueäer und Pharisäer gefabelt und gedichtet. An willkürlichen Gebilden hat es nicht gefehlt. Man hat sich die Saddueäer bald als Griechenfreunde gedacht, die sich gewissermaßen außerhalb des Judenthums stellten, der neuen griechischen Bildung in die Arme warfen und so ganz entnationalisirt waren, sie erschienen als Epikuräer, Lüstlinge, Weltleute, welche religiöse Interessen weit von sich entfernt hielten; Lm Gegentheile hatten Andere sie, durch die Aehnlichkeit der Denennung irre geführt, gar zu Stoikern gemacht. In der That aber waren sie eine Zeit lang Träger des jüdischen Volkslebens und ihre Bemühung auch die tiefere Grundlage des Judenthums, sie waren der Priesteradel, der in der damaligen Zeit mächtig, der Mittelpunkt war, um den das ganze Volk sich gruppirte, der jedoch dann dersank, wie das so oft das Ende derer ist, welche, über dem Volke stehend, sich noch mehr über das Volk erheben wollen, ihre Person und ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund drängen, und dadurch, an dem Leben des Volkes nicht fördernd genug betheiligt, von demselben verdrängt werden. Der Name der Pharisäer hat im Andenken der späteren Geschlechter auch eine falsche Bedeutung angenommen. Namentlich durch den Einfluß einer anderen Religion verstand man unter Pharisäern kleinliche, beengte Menscher!, Mückenseiger, die an einer Außenfrömmigkeit kleben, ohne innerlich davon erwärmt zu sein, ohne größere, religiöse Idee. Von Seite der Juden wurden sie zwar nicht in solchem herben Sinne ausgefaßt, doch vermochte man ihnen die ihnen wirklich innewohnende Bedeutung nicht zuzuerkennen. Denn in Wirklichkeit waren sie der Kern des Volkes, ihr Streben war die Gleichberechtigung aller Klassen, ihr Kampf ein Kampf, der in allen Zeiten, wo es ein Tüchtiges gilt, sich wiederholt, ein Kampf gegen Priesterthum und Hierarchie, gegen Bevorzugung einzelner Klassen, ein Kampf grade dafür, daß nicht in der Aeußerlichkeit allein der höhere Werth gesucht werde, sondern in der inneren, religiösen Gesinnung. Die Mittel, welche sie zum Th eil ergreifen mußten, erscheinen dem ersten Anblick nach nicht zu dieser