Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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15 8. Sadducäev und Pharisäer. nung, allein gegenüber den Ansprüchen des Adels war es eben nur ein Familienname. Ebenso nannten sich die Abgesonderten: die Gelehrten oder die Genossen des Bundes, welche auf das Streben nach Selbstheiligung hielten; die Gegner bezeichnten sie mit dem alten Namen Pharisäer, der wiederum keine beschimpfende Bezeichnung ist, der aber den Anspruch besonderer Gelehrsamkeit und Bundeshciligkeit vermied. Erst die spätere Zeit versuchte diesen Namen einen Makel anzuheften. So war denn eine mächtige Kluft innerhalb Israels eingetreten; die Kluft mußte sich erweitern und mächtige innere Umgestaltungen erzeugen. 8. Saddueäer und Pharisäer. Zukünftige Welt. Hillel. Die Schwierigkeit, uns eine entschwundene Zeit nach ihren in- «ersten Motiven und Triebfedern vorzuführen, an und für sich schon groß genug, erhöht sich namentlich dann, wenn uns gleichzeitige Urkünden fehlen, die uns durch ihr Dasein selbst den Gedankengang und die Auffassungsweise jener enthüllen, wenn blos Berichte aus späterer Zeit Auskunft geben über das, was in einer früheren Zeit gedacht, angcstrebt worden, sich zugetragen hat. Selbst die treuesten Berichte späterer Zeiten fassen ja doch am Ende die Verhältnisse und Begebenheiten von ihrem Standpunkte aus auf, färben unwillkürlich oder absichtlich mit Parteilichkeit, entstellen aus Mangel an Verständniß für die Vergangenheit. Handelt es sich um einflußlose Zeitabschnitte, die uns mit einem Nebelflor umhüllt sind, so konnten wir sie etwa gleichgültig dem Sammlerfleiße des Forschers, der kühnen, combinirenden Kritik überlassen. Allein grade solche Zeitabschnitte sind zuweilen maßgebend für eine lange Reihe von Jahrhunderten. Wenn wir auch wenig von ihnen wissen, die Spuren haben sich tief eingegraben, sie sind bestimmend geworden in ihren Schöpfungen, in ihren Ereignissen für alle Zeiten, und es kann uns, wenn wir über uns selbst eine klare Vorstellung haben wollen, über das, was und wie wir es geworden sind, nicht gleichgültig sein, die Quelle recht klar zu erkennen, ans der wir geflossen, den tieferen Grund zu erfassen, aus dem die Gegenwart sich erzeugt hat. Was vor zwei Jahrtausenden in Judäa gedacht worden, geschehen ist, wie Sadduca'er und Pharisäer mit einander gerungen haben, was aus diesem Kampfe sich hervorgearbeitet hat, hat für Jahrhunderte hin gewirkt, war von einer mächtigen weltgeschichtlichen Bedeutung, ist noch bestimmend für den heutigen Tag, ist es, woran wir theilweise uns halten, wogegen