Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 L 7. Sadducäer und Pharisäer. priestorlichen Heiligkeit sich erheben. So schuf man Erschwerungen für das ganze Volk, Einrichtungen, welche den Priestern soviel wie möglich annä'hern sollten. War Reinheit und Unreinheit Vorschrift für die Priester, so sollte das ganze Volk sie mit Sorgsamkeit beobachten; waren gewisse Waschungen zu den heiligen Opferfeierlichkeiten für die Priester vorgeschriebe», so sollte auch das Volk die gewöhnlichen Mahlzeiten mit gleichen Vorbereitungen genießen, ״profane Feucht mit der Reinheit des Heiligthums". War der Tempel besonders Stätte der Priester, hatten sie dort den Opferdienst zu verrichten, waren die Opfermahlzeiten der Sammelpunkt der Priestergesammtheit und waren diese selbst eine religiöse Handlung, so trat nun das Volk auf mit Nebentempeln, mit Synagogen, die den Tempel zwar nicht ersetzen, aber Volkstempel werden sollten; auch sie verzehrten Mahlzeiten in Genossenschaften, die eine ähnliche Weihe erhalten sollten. Das Mahl wurde geweiht durch Waschung als heiliger Fleischgenuß, der Wein vertrat das Trankopfer, und auch das Räucherwerk durfte nicht fehlen. Diese frommen Mahlzeiten wurden durch Gebete gehoben, und man ward so in gewissem Sinne auch Priester. So entstand durch das pharisäische Bestreben, einen Priestercharakter zu tragen, die große Institution der Gotteshäuser. Das Gebet ist eine Frucht jenes Strcbens, das wohl hie und da des einseitigen Charakters nicht entbehrte, aber so viel Gesundes und Kräftiges in sich enthielt, daß es auch gesunde und kräftige Erzeugnisse hervorbrachte. Jedoch entstanden auch viele Einrichtungen, die das Leben beschwerten, theilweise noch Geltung haben, theilweise als Schatten umherschwanken. Wenn z. B. der Abschiedsgruß beim Sabbathausgang mit Wein und Gewürzen gefeiert wird, so ist das ein Ueberbleibsel jenes alten Volksverlangens, auch die Priestergcwohnheiten zu erfüllen. Ueberall, wo Religion und Bürgerthum sich entschieden äußerten, entbrannte der Kampf der Sadducäer und Pharisäer. Die Pharisäer wußten die verschiedenen Einrichtungen, die auf das Volksleben von tiefem Einfluß waren, an sich zu ziehen. So wurde die Einrichtung des Volkskalcnders, das Gerichtswesen der Priesterpartei entwunden, und das Volk, die Gelehrten, wußten sie als ihr Eigenthum an sich zu bringen. Das Volk, die Gelehrten, — denn die Namen Pharisäer und Sadducäer werden mehr von den Gegnern festgehalten, weniger von den Parteien selbst gebraucht. Die Sadducäer nannten sich selbst die Söhne der vornehmen Geschlechter, der Hohenpriester, ihre Gegner nannten sie Sadducäer; darin liegt zwar keine schimpfliche Bezeich-