Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0664-2421742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1. 7. Sadducäer und ׳Pharisäer. 1A voranstellten, waren die Abgesonderten, das Bürgerthum, auch Gegner der Zadokiten. Als der große Kampf dann ausbrach und da grade das Herrschergeschlecht sich lau zeigte, das Bürgerthum dagegen mit aller Kraft und Begeisterung anftrat, da gruppirten sich diese Sonderungen entschieden als besondere Parteien. Die Zadokiten, die Sadduca'er, waren die Einen, die Nachkommen des Priesterstandes in Verbindung mit allen vornehmen Geschlechtern; die Abgesonderten, die Pharisäer, wie man sie mit einem aramäischen Ausdrucke bezeichnete, waren der andere Theil. Allerdings hatten die Hasmonäer oder Makkabäer auf den Bürgerstand sich gestützt, die Nachkommen der Zadokiten von dem Throne gestürzt, auf den Schultern des Bürgerthums stiegen die Hasmonäer zugleich auf den Thron und Altar. Auch die Hasmonäer wurden Fürsten und Hohepriester, allerdings durch eigenes Verdienst, aber dennoch durch engen Anschluß an das gesunde, kernige Volk. Allein auch hier bewährte sich eine allgemeine geschichtliche Erfahrung. Die neue Dynastie freut sich zu sehr, wenn der alte Adel sich mit ihr ralliirt. Die Sadducäer waren der alte Adel, und bald glichen sich die Differenzen zwischen den neuen Königen und Priestern und den Nachkommen derer, die früher diese Aemter verwaltet hatten, aus, die Sadducäer wurden die Hofleute, der Adel des neuen Hofes, und dieser hielt sich an den adeligen Kreis, an die durch ihre angestammte Würde mächtige Partei. So brach der Kampf zwischen Sadducäern und Pharisäern ernstlich aus; die herrschende Dynastie schwankte hin und her, doch im Ganzen mehr dem Adelgclüste sich fügend. Es war ein politisch-religiöser Kampf, der zwischen Sadducäern und Pharisäern ausgebrochen war, so daß die Kluft immer weiter sich öffnete, ein politisch-religiöser Kampf, in dem man für jene Zeit kaum zu unterscheiden vermag, welches Element, das politische oder religiöse, überwiegend gewesen. Im religiösen Leben lag die Grundabweichung der Pharisäer nämlich darin, daß man die Heiligkeit des Priesterthums nicht so in den Vordergrund gestellt haben wollte. Der Spruch aus dem zweiten Makkabäer-Buche, das der damaligen Zeit angehört, drückt diese Gesinnung präcise ans: Ist ja Allen gegeben das Reich, das Königthum, die Priesterschast und die Heiligung. Das ganze Volk sollte nach dem Sinne der Pharisäer als ein heiliges und priesterliches erscheinen; wohl gab es besondere Priesterliche Functionen und Vorschriften, die nicht angetastet werden konnten, doch sollte das ganze Volk zur Heiligung, zu einem Abbild der