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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 12 (sequence 15)
Language
German
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12 1. 7. Sadducäer uud Pharisäer. zu verbreiten. Wenn sie sich einengen wollte auf den engen Boden, den sie nun einmal einnimmt, blos an diejenigen sich richtet, die in ihr geboren sind, die einem bestimmten Lande angehören, eine abgeschlossene Geschichte haben, dann hat sie aufgehört, das Charakteristische wahrer Religion an sich zu tragen, dann ist sie eine Secte geworden, aber keineswegs mehr der Lebensduft, der als ein allgemeiner sich über das Allgemeine verbreitet. Das Judenthum hat im Gegentheile gerade zuerst von Proselytenthum gesprochen, es kennt zuerst die Fremdlinge, welche sich Gott zugesellen und welche als׳ Vollberechtigte ausgenommen werden, während das übrige Alterthum nur den Bürger kennt, der im Lande geboren, auf" dem Boden erwachsen ist. Ihm bleibt der Fremde immer fremd, bis er etwa in späteren Geschlechtern in dem Volke einlebt oder ihm das Bürgerrecht zuerkannt wird. Das Judenthum hat die Schranken des engen Volksthums gebrochen; nicht die Geburt macht den Juden, sondern die Ueberzeugung, die Anerkennung des Glaubens, und auch derjenige, welcher nicht von jüdischen Eltern erzeugt ist, aber den wahren Glauben Ln sich aufnimmt, wird ein Vollberechtigter. Das Proselytenthum in seinem edleren Sinne, wonach von den bisher Fernstehenden die Ueberzeugung ausgenommen wird, weil sie gleichfalls sich mit ihr einverstanden erklären, dieses Proselytenthum ist ein Product des Judenthums. Freilich Proselytenmachcrei, bloße Uebertragung der Aeußerlichkeit, Anwendung der Gewalt, um das Affectiren des Glaubens zu erzwingen, ohne durch die innere Kraft der Wahrheit zu überzeugen, ist dem Judenthum entschieden widerwärtig, vor ihr warnt es. Fremdlinge, Proselyten bildeten also damals einen großen Theil des Volkes. Schon Ln der ersten Zeit nun, bevor der syrische Kampf ausgebrochen war, entstanden einzelne Mißverständnisse zwischen den verschiedenen Theilen des Volkes. Die Zadokiten, Fürsten und Priester, wurden, wie dies einmal Ln dem Charakter einer solchen angeborenen und noch dazu mit besonderer Heiligkeit verbundenen Würde liegt, mehr und mehr engherzig, sie suchten auf sich das ganze Wesen der Religion zu beziehen, sie wurden allmälig nicht Vertreter und Diener der Religion, sondern sie sollte ihnen dienen. Die Abgesonderten, der kräftige Kern des Bürgerthums, fanden hingegen in den Priestern und Herrschern nur insofern ihre Vertreter, als sie das religiöse und das Staatsleben wirklich wahrten, und sobald dieselben ihre persönlichen Verhältnisse den Anforderungen der Religion und des Staates

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