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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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I. 7. Sadducäer und Pharisäer. 1| doch die eigentlichen Herren des Landes. Ein einheimischer König oder Fürst, der die bürgerlichen Angelegenheiten lenkte, wurde kaum geduldet, und wenn er geduldet wurde, war seine Macht so unbedeutend, daß sein Ansehen sich bald verlor. Anders war es mit dem Hohenpriester, der das religiöse Leben repräsentirte; sein Ansehen mußte, da sein Amt das einzige heimische und zugleich ein heiliges war, um so mehr steigen, und bald vereinigte er, was von bürgerlicher Obmacht übrig blieb, mit der pricsterlichen Macht. Es war das die einzige Zeit im Judenthume, wo in gewissem Sinne eine Hierarchie vorhanden war, wo eine eigentliche Priestcrherrschaft zur Geltung kam, aber sie bewies sich auch kläglich genug. Diese Priesterfamilie war die der Zadokiten. Das Volk, das zurückgekehrt war, begeisterte sich an dem Streben, das alte Volksthum wiederherzustellen, klammerte sich mit aller Macht an diejenigen an, die als die Häupter dastanden, namentlich an die religiösen Vertreter des Volkes, es schloß sich den Priestern mit Ehrerbietung an. Es galt damals, das Alte mit Entschiedenheit sestzuhalten; Tempel und Tempeldicnst, das damit verknüpfte Priesterthum und die Abgaben an Tempel und Priester waren der Mittelpunkt des religiösen Lebens. Von solchen Gesinnungen waren die Eifrigen im Volke erfüllt. Die Rückkehrenden fanden aber auch innerhalb Palästinas gar manche Elemente, die unterdessen herangekommen waren und entweder gar nicht oder nur sehr lau dem jüdischen Glauben anhingen. Mit aller Strenge sonderten sich nun die Eifrigen von solchen Mischlingen ab und hießen daher ״Abgesonderte", ״von den Völkern des Landes und deren Unreinheit sich absondernd", sich eng an die Häupter und Führer anschließend. Der andere Theil hieß das ״Volk des Landes"; es waren eben diejenigen, welche zum Theil noch gar nicht in das Indenthum eingegangen waren, zum Theil mit schwachen alten Erinnerungen oder gar als Proselyten, als Fremdlinge sich anlehnten. Denn auch solche wurden willig ausgenommen, wenn sie auch nicht mit entschiedener Strenge festhiclten an den Vorschriften, welche die Abgesonderten für sich als bindend erachteten. Es ist eine landläufige Phrase, daß das Judcnthum dem Proselytenthmne ernst entgegentrete. Dies hat seine theilweise Wahrheit, muß aber dennoch nach seinem wahren Sinne erfaßt werden. Eine jede Religion, welche von ihrer Wahrheit überzeugt ist, Wahrheit sein will nicht blos für einen engen Kreis, sondern für die Menschheit, muß auch das Bestreben haben, sich über die ganze Menschheit

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