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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 8 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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1. 7. Der jüdische Alerandrimsmus. 8 mit diesem Unreinen, erst durch vielfache Ausströmungen und Vcrkettungen entsteht das Irdische. Eine solche Auffassung war den jüdischen philosophisch gebildeten Griechen sehr genehm. Sie bot ihnen eine glückliche Handhabe, Gott rn seiner Unantastbarkeit und Unfaßbarkeit zu erhalten und dennoch nun die' verschiedenen sinnlichen Bezeichnungen, wie sie Ln der Schrift Vorkommen, anzuerkenncn, indem sie dieselben auf die untergeordneten Wesen beziehen konnten. Das damalige Griechenthum, steif und nüchtern, war nicht geeignet, Ln naive poetische Gebilde sich hineinzudenken und den poetischen Ausdruck gelten zu lassen, ohne daß die Erhabenheit des Gedankens dadurch verletzt würde. Man hielt am Buchstaben fest, und war dieser zu sinnlich, so mußte er sich gewaltsamen Erklärungen fügen. Auch daran ließ man es für die Bibel nicht fehlen. Erzählungen und Gebote wurden aus ihrer schlichten Natürlichkeit zu künstlichen Philosophemen gezwängt, man glaubte, sie dadurch zu erheben; die symbolische Erklärungsweise ist ein Product des jüdisch-alexandrinischen Geistes. Die sinnlichen Ausdrücke und Begebenheiten Ln Beziehung auf Gott aber übertrug man auf solche untergeordnete Geister, die aus Gott sich erzeugt haben. Bei Philo, dem bedeutendsten Manne aus dieser jüdisch-alexandrinischen Zeit, und wohl auch schon bei Früheren, deren Schriften wir nicht mehr besitzen, faßt sich dies zusammen Ln den Logos. Philo ist ein gläubiger, glühender Jude, er ist vollkommen hingegeben der Ueberzeugung von der Wahrheit des Judenthums, die für ihn keines Beweises bedarf, mit der größten Liebe giebt er sich der Untersuchung über die Lehre des Judenthums hin, den sittlichen Geist desselben faßt er in edler Reinheit auf, aber auch er ist keineswegs frei von symbolischer Deutung, und das Grundwesen der jüdisch-alexandrinischen Philosophie spitzt sich ihm zusammen in den Begriff des Logos. Dieser Ausdruck bedeutet im Griechischen ebensowohl den Gedanken — was Philo darunter versteht — wie auch das Wort. Er ist der Demiurg, der Weltschöpfer; er ist zuerst von Gott erzeugt, als reine Idee aus ihm hervorgegangen; als eine von Gott ausgehende Kraft erzeugt er nun die Welt, wirkt weiter auf sie belebend und nmgestaltend ein. Das war die Versöhnung, welche das Judenthum mit dem Griechenthume feierte. Die alexandrinisch-jüdische Philosophie ist die Mutter zahlreicher Philosophieen, die das ganze Mittelalter hindurch entweder rein oder gemischt herrschten, sie ist die Mitschöpferin einer neuen Religion, bei deren erstem Eintritt sic höchst bedeutsam umgestaltend

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