Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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7!. 7. Der jüdische Alerandrinisimrs. glänzender erstrahlen lasse. Die verschiedensten literarischen Versuche sind, wenn auch nicht besonders werthvolle, Produkte dieses treibenden Verlangens. Eine Frucht ernsten geistigen Ringens war besonders die alexandrinisch-jüdische Philosophie. In der Philosophie vor Allem mußte das Aufeinandertrcffen des Judenthums mit dem Griechenthume einen harten geistigen Kampf und eigenthümliche Resultate erzeugen. Es bedurfte hier der Vermittelung zwischen zwei scharfen Gegensätzen. Das Judcnthum geht von seiner Selbstgewißheit aus, von der inneren Erfahrung, von einer lebendigen Ueberzeugung, für die es keines Beweises bedarf und die nicht vollständig bewiesen werden kann. Das Griechenthum ging im Gegentheile von der Untersuchung, von der menschlichen Forschung aus, von dem Sinnlichen emporsteigend, entwickelnd und ablösend, um zu dem ho- Heren Gedanken zu gelangen. Zwei verschiedene Wege, die nicht blos im Verfahren auseinandergehen, sondern auch in der ganzen Anschauungsweise! Und diese beiden einander schroff entgegengesetzten Anschauungen prallten auf einander. Allein auch im Griechenthum gab es eine Richtung, die, wenn sie auch dem griechischen Geiste an- "gehörte, dennoch mit einem gewissen prophetisch-poetischen Schwünge das Höhere zu erfassen bemüht war und von diesem Höheren zu dem Niederen herabsticg, jenes in tiefere Stufen sich einsenken ließ. Sie will gleichfalls das Göttliche, das Ideale unmittelbar erfassen, durch Intuition, durch erhöhte Anschauung. Mit solch kühnem Schwünge erfaßte Platon das ewig Gute, das ewig Schöne; aus ihm erzeugen sich einzelne Ideen, die als Musterbilder, — man weiß nicht, ob sie an sich auch eine gewisse Existenz haben oder blos als Bilder des Geistes zu denken sind, — sich in den wirklichen Dingen ausprägen, sie selbst vollkommen, während die einzelnen sinnlichen Gegenstände sie blos in Begrenztheit darstellen. Das war eine Richtung, die den jüdischen Philosophirenden besonders zusagen mußte. In ihr fanden sie die Brücke zwischen den rein urgeistigen und den stofflichen Dingen. Wie geht der höchste Geist, der ewig vollkommene, ein in die unvollkommene Welt? Musterbilder schafft er aus sich, sagte Plato, er schaut Ln sich hinein, und da entsteht Vollkommenes, aber dieses Vollkommene prägt sich wiederum Ln untergeordnete Existenzen aus und so geht es tiefer hinunter von Mittelursachen zu Mittelursachen, bis die wirklichen Dinge entstehen und die Schöpfung uns entgegentritt. Gott, das ewige Sein, das ewig Vollkommene ist die höchste Ursache, doch der ewig Reine tritt nicht in unmittelbare Verbindung