Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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6 1. 7. Griechisches Judenthum. man verlangte ein engeres Anschließen an denselben, konnte aber der Uebersetzung nicht entrathen! Man mußte daher den Versuch neuer griechischer Uebersetzungen machen, obgleich das Hebräische damals auch unter ihnen mehr verbreitet war. Solche Uebersetzungen unternahm das Allerthum nicht, um ein Kunstwerk zu schaffen und der Nachwelt zu überliefern, sondern aus dem innersten, tiefsten Bedürfniffc der Zeit. Drei Uebersetzcr der Bibel zu jener Zeit werden uns genannt: Aquila, Theodotion, Symmachus, und Trümmer ihrer Uebersetzungen sind noch vorhanden. Selbst die Lehrer des Thalmuds lobten sie wegen dieser Arbeit, und das biblische Wort: Es breite Gott aus Jaseth, und Er wohne in den Zelten Senüs, wurde in einer nach jener Zeit üblichen Umdeutung dahin angewendet, die Schönheit des Jafeth wohne in den Zelten Sem's, die Anmuth des Griechenthums mache sich auch einheimisch in den Zelten des Semitismus, — ein Vers, der auch von Andern in verschiedener Weise verrenkt und mißbraucht wurde. Als später nämlich das Christenthum herrschend wurde, deutete man das Wort: Gott breite Jafeth aus und er (nämlich Jafeth) wohne nun in den Zelten Sem's; Jafeth sei der Erbe Sem's, er werde das neue Israel. Und in neuerer Zeit hat man mehr schillernd als wahr davon gesprochen, wie der alte Sem erst durch die Bildung aus Jafeth's Stamm geglättet werden müffe. Genug! Das griechisch-geistige Leben wurzelte tief in den Juden, und noch aus der späteren Zeit wird uns berichtet, ein Thalmudlehrer habe vernommen, wie das Volk das Schemagebet in griechischer Sprache verrichtet habe. Sie sehen, wie die alte Zeit uns Beispiele bietet, daß ein gebildetes Volksthum mächtig auf die Geister wirkend auch an dem religiösen Leben des Judenthums keineswegs spurlos vorubergeht, und daß die Bekenner des Judenthums treu und anhänglich ihrer Religion bleiben, wenn sie auch eingehen in Sitte und Sprache des Landes. Während der Alcxandrinismus, als Scholastik des Altcrthums, im Allgemeinen wenig Saftiges und Kräftiges bietet, ist es um so bedeutsamer, daß er grade innerhalb des Judenthums als eine Triebkraft wirkte, als eine Wurzel zu neuen Schöpfungen. Es erwuchs das Bestreben, das jüdische ererbte Gut mit den neu gewonnenen Erkenntnissen zu vereinigen, die Wahrheiten des Judenthums in ihrem Werthe noch zu erhöhen durch die neu zuströmende griechische Bildüng, beide Schätze mit einander in Einklang zu bringen, so daß der eine die Herrlichkeit des andern um so Heller hervortreten, um so