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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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1. 7. Griechisches Judenthum. 5 hältnisse dargebrachten Abweichungen, ist auch auf religiöse und Philosophische Anschauungen Rücksicht genommen. In ersterer Art, — um blos eine Vorstellung zu geben, wie die Verhältnisse des Landes berücksichtigt worden, — erblicken wir zum Beispiel die Vorsicht, mit der sie in der Uebersetzung vermieden, etwa dem Königs Hause zu nahe zu treten oder den Volksvorurtheilen zu verfallen. So wird unter den Thieren, welche zum Genüsse untersagt sind, der Hase genannt. Das hebräische Wort würde im Griechischen die Uebersetzung erhalten haben: Lagos; allein die Königsfamilie hieß die Familie der Lagiden, und so würde es einen Anstoß gegeben haben, wenn in dem Gesetzbuche der Juden dieser Name, als der eines unreinen Thieres, vorgekommen wäre. Sie wandelten es um und schrieben ein Wort, das der Fußhaarige oder Fußdichte bedeutet, ein Wort, das sie sich neu bildeten, um dem Anstoß zu entgehen. Die Esel waren eine Thiergattunz, die als zum Reiten nur von der untersten Klasse gebraucht wurden; in der heiligen Schrift kommen jedoch die Esel vielfach als Reitthiere vor. Die griechischen Uebersetzer vermieden das Wort, um nicht Spötteln und Kopsschütteln entstehen zu lassen. Aber auch in Gesetz und Religion vermieden sie sorgsam, was dem kritischen Sinn jener Neugriechen einen Anstoß bieten konnte; namentlich sinnliche Bezeichnungen für Gott, Ausdrücke, die als naiv poetische in der heiligen Schrift gestattet sind, aber dem nüchternen Sinne Jener aufgefallen wären. Dieses Einleben in die griechische Bildung und griechische Sprache drang immer weiter, ohne daß die jüdisch-religiöse Anschauung in den Gemüthern dadurch wankend geworden wäre. Ja, das Aufgeben der hebräischen Sprache wurde dort vollkommen herrschend; sie, die allerdings in gewissem Sinne die Trägerin ist der jüdisch-religiösen Anschauung, die einen frischen Hauch des religiösen Gedankens ausströmt und an der sich zu nähren zugleich eine Nahrung für das jüdisch-religiöse Leben ist, sie wurde unter den griechisch-egyptischen Juden nach und nach ziemlich vernachlässigt und vergessen, so daß selbst die bedeutendsten Gelehrten, ein Philo, schülerhaft Ln derselben unterrichtet waren. Selbst in einer späteren Zeit, im zweiten und dritten Jahrhundert n. Ehr., als ein großer Theil der griechischen Juden in eine andere Religion übergegangen war, der treue Ueberrest sich enger an das hebräische, palästinische Judenthum schloß, hatte man noch das Bedürfniß einer griechischen Bibelübersetzung. Man merkte nun, daß die alte Uebersetzung zu wenig dem Texte entsprach.

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