Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4 l. 7. Griechisches Iudenthum. Bibelübersetzung. Verkehr bedienten, sondern die auch die Sprache ihrer Religion wurde, der jüdischen Religion. Sie gingen so weit, daß sie in Leontopolis, einer Stadt des Bezirkes Heliopolis, sich einen Tempel erbauten, der ein Abbild des Jerusalemischen war, nicht etwa, um sich von Jerusalem lvszusagen, um die Verbindung mit dem Mutterlande abzubrechen, sondern in dem vollen Bewußtsein, diesem Lande anzugehören und dort ganz voll ihren religiösen Bedürfnissen genügen zu können. Es war der Oniastempel, der da gegründet wurde und der, wenn er auch nicht vollkommen anerkannt war in Palästina, doch nicht als götzendienerisch verpönt wurde. Der Tempel war das äußere Haus, aber höher stand der Geist, die Lehre; auch sie sollte ihnen zugänglich sein im Griechcnthume, in der griechischen Sprache. Daß für einen griechisch-egyptischen Fürsten, einen der Ptolemäer, dies geschehen sei, ist Verherrlichung der Sage; es lag vielmehr in dem Drange der Bevölkerung, die Bibel, ihr schriftliches Heiligthum, sich vollkommen anzueignen in griechischer Sprache. Die hebräische war ihnen damals, als die Uebersetzung unternommen wurde, freilich noch nicht entschwunden, aber sie war ihnen jedenfalls nicht so heimisch und geläufig mehr, daß sie das Buch, das ihnen das Lebensbrod und das Lebens- Wasser reichen sollte, voll hätten aufnehmen können; die griechische Sprache sollte es ihnen näher führen. Wir haben hier das erste Beispiel in der Geschichte, daß ein Buch eine Uebersetzung erhielt. Die hebräische Bibel wurde in das Griechische übersetzt, und diese Uebersetzung ist uns zugekommen, sie ist bekannt unter dem Namen der Siebzigerübersetzung. Die verherrlichende Sage berichtet nämlich, daß siebzig Aelteste dieses Buch übersetzt hätten, und zwar jeder für sich abgesondert; alle aber stimmten vollkommen überein, und so zeigte sich, daß die Uebcrsetzer gleichsam von göttlichem Geiste durchleuchtet waren. So schmückte die Sage jene Uebersetzung aus, nicht blos unter den griechischen Egyptern, sondern auch in den Schriften der Palästinenser, auch in den thalmudischen Schriften wird sie uns mitgetheilt, — ein Beweis, mit welcher Anerkennung und Ehrfurcht dieses Werk auch von der Fremde betrachtet wurde. Diese Uebersetzung trug den dortigen griechischen Geist zum Theile in sich, sie schmiegte sich wohl eng an den Buchstaben der heiligen Schrift an, gab vollkommen dew Inhalt wieder je nach dem Verständnisse, das die Uebersetzer davon hatten, aber es fehlte nicht an einigen Umgestaltungen, die den dortigen Anforderungen entsprachen. Abgesehen von einzelnen, dem Drang der Ver-