Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0654-2421732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
l. 7. Griechisches Judenthum. 3 und Forschen, ein Bemühen, sich die äußere Form der alten Wissenschast und Gelehrsamkeit anzueignen und wiederzugeben, ein kleinmeisterliches Gelehrtenthum, das von innerem, wissenschaftlichem Triebe nicht befruchtet war. Was sich von da zu uns herübergerettet hat, was uns sonst davon mitgetheilt wird, zeigt keinen frischen, lebendigen Geist, blos das Bestreben, pünktlich und genau das Me zu durchforschen, den Buchstaben zu pressen und an den Knochen herum zu nagen. Dennoch verbreitete das Alexandrincrthum mancherlei Bildung. Wiederum zeigt sich hier eine merkwürdige Seite des Judenthums, die ihm seine Bedeutung verbürgt. Ueberall, wo eine neue Bildung sich erzeugt, wo der Geist ungehemmt sich entwickelt, ein frisches Volksthum, eine frische, geistige Entwickelung sich bemerkbar macht, schließt sich das Judenthum rasch an, nehmen seine Bekenner bald die neue Bildung in sich auf, verarbeiten sie, und sie erkennen in diesem Lande, das ihnen das Höchste bietet, geistige Freiheit, geistigen Aufschwung, ihre Heimath. Wie die gesunde Pflanze nach Luft und - Licht sich sehnt und dorthin sich ringt, sich hindurch schlingend durch allerhand Hindernisse, so ist es gewissermaßen auch im Judenthume. Lust und Licht verlangt es, und wo sie ihm geboten werden, ist seine Heimath, da fühlt es sich wie im Vaterland, als wäre es seit Jahrhunderten daselbst eingebürgert. Es ist der Vorzug des Menschen vor dem Thicre, daß er auf dem ganzen Erdboden, nicht blos in bestimmten Theilen der Welt, seine Wohnstätte wählen kann, daß überall, wo nur Leben sich erzeugen kann, wo nur irgend organische Wesen sich erhalten können, er auch seine Stätte zu gründen vermag; er ist der Herr der Erde, nicht wie das Thier, das an einen gewissen Boden geknüpft ist. Das Judenthum bewährt hier seinen umfassend menschlichen Charakter. Ueberallhin vermag es sich zu acclimatisiren, überallhin seine Saaten zu tragen und Antheil zu nehmen an dem dortigen Volksleben, namentlich da, wo tiefere Bildung auch den Boden zu einem geistigen umzugestalten weiß. Genug, die Juden hatten sich bald in Egypten eine neue Heimath gegründet. Ob sie erst mit Alexander dorthin gekommen, oder ob sie schon bei der Auflösung des jndäischen Staates zum Theil als Flüchtlinge mit Jeremias dorthin gewandert und bei freier Entwickelung mehr hervortratcn, mag dahingestellt bleiben, sie waren da und zwar als voll ein gelebt und -eingebürgert. Bald war die griechische Sprache ihre Sprache, deren sie sich nicht blos bei dem täglichen