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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 296

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 296 (sequence 136)
Language
German
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206 Journal-Revue. - Lassen wir cs jedoch vorläufig bei dieser Andeutung über die Ungerechtigkeit bewenden, welche Herr R. gegen die eine Seite begehtum die Wunden, welche er der andern schlägt, mit einer Heilsälbe zu bestreichen. Jedenfalls hat der französische Gelehrte eine׳ gewisse Kenntniß von den neueren Forschungen. Weit schlimmer sieht es mit dem neuesten deutschen Bearbeiter aus. Freilich hat Herr Dr. Strauß in seinem neuen ״für das deutsche Volk bearbeiteten Leben Jesu" theilweise einen bedenklichen Rückfall vom Standpunkte des freien Kritikers zu dem eines rationalistischen Apologeten gemacht, und so mag man auch weniger überrascht sein, daß derselbe alle neueren Forschungen über den damaligen Stand des Judenthums nicht kennt oder ignorirt, noch ganz in den alten Anschauungen befangen ist und mit einer wahrhaft vulgären Geläufigkeit die Sprache alter Vorurtheile redet. Das Capitel über den ״Entwickelungsgang des Judenthums" S. 168 ff. kann kaum oberflächlicher behandelt sein. So gehen, um nur Einzelnes hervorzuheben, bei ihm ״Priester und Propheten" oder ״Priester und Pharisäer" sehr einträchtig Hand in Hand (S. 168. 171. 268. 279), der Pharisäismus ist ihm eine unerfreuliche Richtung (173), selbstgerechter Ceremouiendienst (170), jüdische Gesetzesreligion (XVII), jüdische Vorurtheile (11), Rabbinenmährchen (71) und dergleichen abgedroschene Bezeichnungen. Ueber die Sadducäer betritt er erst recht die ausgetretenen Geleise; sie sind ihm Nichts als ״aufgeklärte Weltl.cute" (174). Ueber die,׳,Essener" wird ein Langes und Breites gesagt, dem Geschwätze des Josephus folgend. Das Kriterium für die späte Abfassung des Johannesevangeliums, welches darin liegt, daß dort immer von den ״Juden" gesprochen wird, als gehöre der Verfasser selbst gar nicht zu ihnen, ist ihm wohl bekannt, da schon Bretschneider 1820 und Fischer 1840 darauf aufmerksam gemacht (S. 73 A. 1 u. S. 91); daß ich diesen Beweis aber verstärkt (Urschrift S. 107 A., vgl. oben S. 37), bleibt ihm unbekannt. Es mag uns daher auch nicht wundern, wenn Strauß das ״sogenannte Targum Jonathan" anführt mit dem Zusatze: eine chaldäische Paraphrase..., deren Verfasser der gewöhnlichen Annahme zufolge um die Zeit von Christi Geburt gelebt haben sott (S. 233), oder ״die chald. Paraphrase des Pentateuchs" mit der Bemerkung begleitet wird: ״die für älter als unsere Evangellen gilt" (S. 373)! Diese Beispiele genügen vorläufig, um einen Begriff zu geben von der Ungruudlichkeit, mit welcher die Wissenschaft, und namentlich

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