Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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280 Neeensionen. kungen ausgestattet werden, darf nicht unterdrückt werden. Wir achten das wissenschaftliche Streben des Herrn Dr. Wolf zu sehr, als daß wir dasselbe durch eine derartige Publication, welche seinen Namen trägt, während sie wohl einem unwissenden Handlanger übertragen wurde, compromittirt sehen möchten. 3. Juni. NS. vom 11. Juni. Soeben kommt mir noch nachträglich ein Blättchen ״Druckfehler" zu, auf welche der Herr Herausgeber von Herrn Dr. M. Setter iS aufmerksam gemacht wurde; da ich indemselben jedoch von den oben gemachten Bemerkungen blos die Autorschaft des Baruch Jeitcles für Nr. 112 ausgenommen finde, so wird das obige Urtheil dadurch nicht geändert. 3. Judentaufen in Oesterreich. Von G. Wolf. Wien 1863. 209 S. 8. Ein jedes einzelne die Juden berührende Verhältniß ist im Mittelalter — und dieses erstreckt sich bekanntlich für die Juden bis an die Schwelle unserer Tage und überschreitet sie zuweilen noch —- auf so verwickelte und betrübende Weise behandelt worden, daß in ihm sich die ganze Widernatürlichkeit der Stellung, welche man den Juden gegenüber eingenommen, abspiegelt, aus einem jeden eine gesonderte Monographie gebildet werden kann. Herr Dr. Wolf behandelt in der rubricirten Schrift einen Gegenstand von besonderem Interesse, nämlich Zwangtaufen und die Taufen Unmündiger, einen Gegenstand, der besonders durch den Vorfall mit dem jungen Mortara in neuerer Zeit ein verbreitetes und gerechtes Aufsehen machte. Leider ist daraus ersichtlich, wie selten Vernunft und Gerechtigkeit sich dabei Geltung verschaffen konnten und — können, wie eine herrschsüchtige und engherzige Dogmatik die natürliche Freiheit und das wahre Interesse der Religion niederdrückte. Solche geschichtliche Nachweisungen haben gegenüber dem süßlichen Phrasengeklingel, das man uns von anderer Seite entgegenbringt, einen entschiedenen Werth.; facta loquuntur. Eine interessante Beigabe, die wir drollig nennen möchten, wenn sie nicht andererseits gar zu betrübend wäre, bildet das ״Rundschreiben", welches das Haupt der Wiener jüdischen Orthodoxie an die Rabbiner Oesterreichs richtete, um sie von einer jeden Betheiligung zu Gunsten der Freilassung des jungen Mortara zurückzuhalten.