Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Necensionen. ■ widerwärtigen Form, in die Zukunft hinübergerettet zu seherü Er war daher entschiedener Gegner nach Geist und Gemüth gegen die schroffe orthodoxe Einseitigkeit, und die Anmaßung, mit der diese Richtung wieder neu auftrat, verletzte eben so sehr sein Denken wie seine ästhetische Empstndung. Auch der entschiedenen raschen Bewegung widerstrebte er; allein dieses Widerstreben war mehr eine Frucht liebevollen Wurzelnd in dem Ucbcrkommenen, und mühsam, ängstlich tastend suchte er diesen Widerstand auch geistig zu rechtfertigen. Solche Naturen sind liebenswürdig, wenn auch ihr Einfluß nicht bedeutend sein kann. Wenn cs galt, grundsätzlich sich auszusprechen, namentlich in einer angeregten Zeit, so mußte Manches, woran er vielleicht selbst hing, dem Zwange des Gedankens, dem erkannten allgemeinen Bedürfnisse weichen. Sehr interessant ist in dieser Beziehung, was hier von ihn: S. XII ff. mitgetheilt wird. ,,Als in der Dresdener Synagoge Reformen vorgenommen werden sollten, stellte er vier Punkte auf, welche unerläßlich zu berücksichtigen wären. 1) Abkürzung des Gottesdienstes, so daß insbesondere die seit dem Mittelalter Hinzugekommenen Anhäufungen und Wiederholungen der Gebetstücke möglichst wegfallen. 2) Einführung deutscher Gebete und Gesänge. 3) Wegfallen der Bitten um wirkliche Wiederherstellung des ehemaligen Opferdienstes. Die Bitten um Widerherstellung der Opfer entschlüpften den Lippen denkender und dennoch wahrhaft religiöser Israeliten längst nur mit Widerstreben. Es ist für die Jetztzeit Pflicht, solchen Ansichten, welche nicht mehr im Bewußtsein leben, auch den Ausdruck zu entziehen, am wenigsten darf inan sie Betenden in den Mund legen. 4) Die Aufrechthaltung eines wohleingerichteten Singchors ist ohne musikalisches Instrument kaum ausführbar; es ist daher die Anbahnung zur künftigen Einführung einer Orgel beim Gottesdienst anzurathen." Seine Vorschläge im Einzelnen gehen noch viel weiter. Da wir von allen diesen Dingen, die so charakteristisch sind, in dem sogenannten ״Lebens- und Zeitbild" Frankens nichts erfahren, so sind wir Herrn Dr. Wolf doppelt dankbar, daß er sich wegen dieser vorausgegangcnen Schrift nicht veranlassen ließ, seine werthvollen Mittheilungen uns vorznenthalten. Der Katalog selbst ist reichhaltig und verzeichnet eine Sammlung, welche neben vielem Werthlosen, das bei allen solchen größeren Bibliotheken überwiegend ist, sehr schätzbare, zum Theile auch sehr seltene Werke enthielt. Nach dem Entschlüsse der Frau Dr. Beer wurde die Bibliothek, in Übereinstimmung mit den Inten-