Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Necensivnen. daß man diese Bemühungen, Alles dem Jesajas zuzuweisen, was unter seinem Namen zusammengestellt ist, nicht als das Product einer dogmatischen Voraussetzung, mit der er an seine Untersuchung gegangen, sondern der unbefangensten Forschung betrachte. Für die Beurtheilung der Bibel als eines Ganzen steht ja die Behauptung, daß wir im Buche der Könige vom Verfasser begangene Jrrthümer finden, der Annahme, daß hier Alles unmittelbares Gotteswort sei, noch weit entschiedener entgegen, als die andere, daß Theile eines Buches nicht dem Verfasser angehören, dem sie beigelegt werden, ohne daß denselben weiter ihr Werth entzogen werden solle. Und dennoch vermuthe ich, daß die hier dargelegte Freifinnigkeit L.'s grade in der höheren Schätzung des Jesajas und in dem Vorurtheile für dessen Autorschaft alles unter seinem Namen Zusammengestettten ihre Wurzel hat; so hat auch der s. g. Conservatismus zuweilen seine einschneidenden Konsequenzen, die er im Glauben an seine conservircnden Absichten ungescheut hegt und, wenn er ehrlich ist, auch ausspricht. Herr L. will nun einmal seinen Lieblingen, Moses, David, Jesajas, die im wohlverstandenen Sinne gewiß auch die Lieblinge eines jeden nicht blos wahrhaft oder vorgeblich Gläubigen, sondern auch eines jeden sorgsamen Bibelforschers sind, möglichst Alles erhalten wissen, was ihren Namen trägt, und deshalb unterdrückt er nicht blos erwachende kritische Bedenken, sondern ihnen müssen auch andere Schriftsteller, die dieser dogmatischen Behauptung in den Weg treten könnlen, weichen. In der That ist jedoch offenbar die Erzählung über Hiskia in unser Jesajasbuch erst aus dem Buche der Könige über-, tragen und hat dort, wie cs scheint, an einzelnen Stellen tendenziöse Umgestaltungen erfahren, wie wir.in einem Punkte darüber oben S. 254 f. zu sprechen Gelegenheit hatten. Daß auch Ln dem hier behandelten Abschnitte Abweichungen von der üblichen Punetation und Accentuation vorgenommen worden, ist natürlich, man vgl. zu 29, 13. 15. 22. 30, 19. 28. 32. 33, 23. 35, 18. Auch die aus Handschriften gezogenen Berichtigungen des Raschi-Commentars verdienen Beachtung. Wenn L. zu 29, 9 in Raschi für שכרו עצנוכם gelesen wissen will הככזיכם, während er in seiner Handschrift חכמים gefunden, so liest meine Handschrift, .wie richtig vermuthct worden. Auch 30, 6 findet sich Ln meiner .Handschrift richtig שמסתקבת♦ So mögen denn die ferneren Hefte recht rasch folgen! 22. März 1864.