Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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V.. Michael Sachs. 268 auch ganz unbeachtet dahinging, fuhr er doch wie ein Sturm einher über die angeblich welken Blätter aller bisherigen Leistungen. Abgerechnet zwei hebräische Briefe, die in Kerem Chemed VII (1843) erschienen, pretiös und inhaltleer waren, veröffentlichte Sachs erst wieder!848 ein umfassenderes Werk, das seine Hauptarbeit blieb und auch seinen Namen erhalten wird, nämlich: Die religiöse Poesie der Juden in Spanien. Hier trat seine Fähigkeit poetischer Nachbildung wie seine Versenkung in die inhaltreiche spanisch-jüdische Literatnr und deren feine Erfassung Ln erfreulicher Weise hervor. Allein er inachte in demselben Abschweifungen nach anderen Gegenden hin, die ihm Gelegenheit gaben zu harten Ausfällen, aber auch das Buch sehr entstellen. Er hat auch dieses Gebiet nicht weiter cultivirt und sich lieber den in schlechterem Rufe stehenden Piutim zugewandt, deren Poesien das deutsche und polnische Machsor ausgenommen hat. Seine Uebersetzung dieses Piutim-Cyclus ist ein neues Zeugniß für S.' Sprach- und Formgewandthcit; allein es bleibt immer bei dem Urtheile, das bereits vor mehr denn sechszig Jahren ein witziger Mann an Heidenheim abgab. Als nämlich dieser im I. 1800 seine Machsorausgabe, die sich außer durch sorgfältige Correctur mit Vergleichung von Handschriften und durch einen sehr sorgsamen und eingehenden Commentar, auch zugleich durch eine reindeutsche und fließende Uebersetzung auszeichnete, herauszugebcn begann und diese sich einer allseitigen anerkennenden Aufnahme erfreute, fragte er einen sachkundigen befreundeten, aber auch freimüthigen und witzigen Mann um sein Urtheil. ״Ihr habt, erwiderte dieser nach damaliger Sprechweise, eine gute Brühe um einen Backstein gemacht; Backstein bleibt Backstein." Uebereinstimmend damit möchte ich nur hinzufügen, daß man auch der ״Brühe" bei S. anmerkt, daß sie nicht kräftigem Fleische entströmt, sondern künstlich zubereitet ist. S. jedoch fand gerade Ln dem Umstande, daß diese Produkte allgemein als mißgestaltet bezeichnet wurden, gerade in der Schwierigkeit, sie genießbar zu machen, einen Antrieb, sich ihnen zuzuwenden, und indem er sich in sie vertiefte, lrMe^sich still Urtheil, wurden sie, die er selbst früher aus der Liturgie verbannt wissen wollte, seine Schoßkinder! Auch in eigenen poetischen Erzeugnissen versuchte sich S.; er gab 1833 ״Stimmen vorn Euphrat und Jordan" in Verbindung mit Veit heraus. Auch hier will es mich bedünken, hat ihn sein einseitiges Verfahren verführt, sich nicht damit zu begnügen, daß er die nicht seltenen Perlen aus den! Strome der jüdischen midraschischen Sage