Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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266 v. Michael Sachs. hervorhole und sie würdig fasse, sondern er wühlte sich so in den Stoff hinein, daß er hie und da auch den Meeresschlamin als Perle geachtet wissen wollte. Uebrigens war S. mehr eine fein anempsindcnde und daher zum Nachbilden geeignete Natur als eine frei poetisch schaffende. Jedoch Sachs war auch gründlicher Sprachforscher. Seine ״Beitrage zur Sprach- und Alterthumsforschung. Ans jüdischen Quellen" (1802—54) bringen manchen gelungenen Nachweis über die Berührnng des Spätgriechischen mit Spätsemitischem, namentlich dem jüngeren Midrasch und dem Syrischen. Allein der Anlauf, den er nahm, war ein sehr gewaltiger, und das Erreichte im Vergleiche damit sehr winzig. Wie die beiden Geistesbewegungen in einander sich eingeprägt haben und eine bei der andern sprachliche Eindrücke zurückgelassen, wie die Beschäftigung mit den Byzantinern dem genaueren Verständnisse späterer jüdischer Leistungen, die Kenntniß dieser dem Verständnisse jener zu Gute komme, sollte nachgewiesen werden; nicht den Freunden des Midrasch sollte ein Hülfsmittel dargeboten werden, sondern der Nachweis einer großen culturhistorischen Verschlingung. Darum gaben sich die ״Beiträge" als solche ״zur Sprach- und Alterthumsforschung" überhaupt, nicht speciell zur jüdischen, nur vorzugsweise ״aus jüdischen Quellen". Dieses anspruchsvolle Auftreten ward durch die Leistung nicht gerechtfertigt, und selbst im engeren Gebiete, zur Erklärung midraschischer Wörter, geht S. in einseitigem Herbeiziehen des Griechischen oft sehr fehl (vgl. meine Anzeige in Bd. XII der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft S. 365 ff.). Die herausfordernde Darstellung aber, die in bauschigcr Anlage Kleinigkeiten lose aneinander reiht, sie mit culturhistorischen Ansprüchen und bissigen Ausfällen verbrämend, hat dem Buche, das als bescheidener Beitrag freundlich ausgenommen worden wäre, nothwendig sehr geschadet. Dieser Charakterzug, welcher S.' literarische Leistungen entstellt, nagte auch an seiner amtlichen Thätigkcit. Ein Sohn der neueren Zeit, glaubte er doch bald in allen reformatorischen Bestrebungen der Gegenwart Verflachung zu bemerken und verrannte sich, je länger je mehr, in dünkelhafte Romantik, in spitzfindige forcirte Repristination, die von verletzendem hochmüthigen Fanatismus nicht freizusprechen war. Gegen die Berliner ״Reformgemeinde" nährte er eine maßlose Gehässigkeit, und gegen die Erfrischung der Institutionen der Gesammt-Gemeinde sperrte er sich mehr und mehr. Die daraus ent-