Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V. Michael Sachs. 263 Fanatismus nicht kund gaben, die aber als tieferen Grund der nationalen Bestrebungen das Alles durchdringende religiöse Leben erkannten, daß sie diesen tieferen Grund unterwühlen wollten. Die Weltgeschichte ist über diesen Kampf hinweggegangen. Das alte Rom fiel und ein Zweig des Judenthums gedieh dort zur geistigen Weltherrschaft. Ob auch dieses neue Rom, dessen Lebenselement der Fanatismus ist, dem Judenthume unterliegen wird? 20. November. V. Unsere Zeit ist innerhalb des Judenthnms nicht so reich an hervorragenden Persönlichkeiten, daß nicht eine jede Kraft, die ihr entzogen wird, schmerzlich empfunden werden sollte, um so mehr, da in den Nachdrängenden des jüngeren Geschlechtes wenig eigenthümliche Selbständigkeit sich offenbaren will. Wenn Männer daher, nicht satt an Tagen, sondern in Mitten des kräftigen Mannesalterß abgerufen werden, so ist dies doppelt schmerzlich. Auch Gabriel Riesser hätte, nach natürlichem Gange, seine Lebensdauer und seine Wirksamkeit noch lange fortsetzen können; doch bietet der Rückblick auf sein früh abgeschlossenes Leben ein vollendetes in sich abgerundetes Bild, mit Erhebung ruht das Auge darauf, und eine volle Geistesthat erhält sein Andenken. Bei dem Manne, welchen wir nun besprechen wollen, und welcher nicht blos in der Berliner Gemeinde, sondern auch in weiteren Kreisen eine hervorragende Stellung eingenommen, wird die Erinnerung nicht mit derselben vollen Befriedigung verweilen können. Michael Sachs war ein Mann von ungewöhnlichen Gaben. War er als Prediger nach einstimmigem Urtherle von überwältigender Kraft, so gehörte er nicht minder als Träger der jüdischen Wissenschaft zu den reich und glücklich ausgestatreten Geistern. Literarhistorisch im Gebiete des Judenthnms bewandert, hatte er einen feineu Sinn für den edleren sittlichen Geist, für den Ausdruck religiöser Hingebung,, wenn dieser auch in trüben Jahrhunderten unter Verzerrungen und ästhetischer Mißgestaltung sich kund gab; mit theik-