Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 262

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 262 (sequence 102)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2420973-2420979-2420982--0596-2421674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

262 iv. Thalmudische Miscellen. geschlossen, weil am Donnerstag Gerichtssitzung war und sich erge-- bende Fragen alsbald entschieden werden konnten. Aber diese Rechtsprechung mußte gerade verheimlicht werden; man durste daher die römischen Späher nicht darauf Hinweisen durch eine am vergangenen Tage vollzogene Ehe. Man verlegte daher diese auf den Dienstag; man beließ die Schlichtung der Streitigkeiten nach wie vor für den Donnerstag, während die Römer wohl am Mittwoch dann anfpaßten, ob Gerichtssitzung sei, aber davon keine Spur fanden. Dies ist offenbar die Veranlassung zu der Aenderuug, welche in der Zeit der Gefahr vorgenommcn wurde, während die babylonische Gemara dieselbe nicht mehr aufzustnden wußtet) Dasselbe galt natürlich auch von den Lichtern, welche am Weihe-- feste angezündct wurden und gerade zur Verherrlichung an Thüren oder an Fenstern stehen sollten, um weithin zu leuchten. In der Zeit der Gefahr, sagt die Baraitha (Schabbath 22 b.), mag man das Licht auf den Tisch stellen, und so genügt man auch damit. Die Erklärer verwickeln sich in Schwierigkeiten, indem sic dies mit dem Parsenthum, mit den Gebern, die das Feuer verehren, in Verbindung setzen. Die Baraitha, welche palästinische Verhältnisse aus dem zweiten und dritten Jahrhunderte vor Augen hat, kennt keine Parsen, wohl aber Römer, welche alle jüdische Gesetzesübung bedrohten. — Wir wissen demnach auch, was es bedeutet, wenn es heißt (Jebamoth 108 d.), in der Zeit der Gefahr habe man sich über eine halachische Frage die Entscheidung Akiba's, der im Gefängnisse gesessen, zu verschaffen gesucht, indem mau Jemanden um 400 Sus miethete, der es wagte, an ihn mit solchen Fragen hinanzukommen. Das war allerdings damals ein Wagniß, wo die Römer Alles daran setzten, das Judenthum, als die Wurzel des Widerstandes, zu zerstören. Schön wird dort der Bibelspruch darauf angewandt: Wir tranken unser Wasser für Silber. Genug, ״die Zeit der Gefahr" ist überall dieselbe, nämlich die Hadrianische Zeit; sie bot den letzten Versuch der Juden, ihre nationale Selbständigkeit zu erlangen, und dies reizte die Römer, welche sonst einen religiösen ך Thoß. Jebamoth Ans.: מן הסכנה ואילך התקינו בשלישי ולא מיחו בידם חכמי□. Das führen beide Gemaren an, vielleicht mit der richtigeren Lesart נהנו, sie hatten den Gebrauch, statt התקינו, sie ordneten an. Doch sucht die bab. Gern. 3 b. vergeblich nach dem Grunde dieser Verlegung und weiß nicht, was dies mit der Zeit der Gefahr zu schaffen habe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.