Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260. IV. Lhalmudische Miscellen. Thalmud für eine götzendienerisch geheiligte Stätte (בית גליא, Megillah 6 a, Äbodath clilim 46 a. Themurah 28 b) vorkommt, wohl eine Grabstätte — etwa gar verwandt mit Golgatha, Schädelstätte, — und so umschreibt das Thargum, gerade wie der Chronist, den anstößigen Ausdruck, läßt ihn uns aber errathen. Wir brauchen diese Empfindlichkeit eines früheren Geschlechts, die doch blos das Aeußerste zu verhüllen wagte, während sie die Thalsache im Ganzen stehen lassen mußte, jetzt nicht mehr zu theilen. Suchen wir immerhin den ursprünglichen Text herznstellen, wenn auch daraus hervorgeht, daß die Israeliten nicht so bald den Götzendienst ihrer Umgebung von sich abwehren konnten; das zeigt uns um so mehr die hohe Bedeutung des Sieges, den sie dennoch in sich selbst und in der Weltgeschichte errungen, und erklärt uns zugleich, wie entschieden nothwendig die Sonderung der Israeliten war, wenn sie nicht durch zu enge Berührung mit dem Heidenthume für ihre Weltgeschichtliche Aufgabe nntergehen sollten. 25. November. 3. Die Zeit der Gefahr. Die thalmudischen Schriften bieten sehr wenig Geschichtliches, allein ihre Vorschriften beruhen sehr oft auf geschichtlichen Thatsachen, ohne deren Kenntniß dieselben unverständlich bleiben, und wiederum wird durch ihre Angaben der Umfang der Thatsache genauer fcstgestellt. Das gilt auch von der Zeit der hadrianischen Kriege, der Empörung unter der Anführung des Ben-Cosiba, worüber wir so sehr trümmer- Haft unterrichtet sind. Daß damals eine jede Bezeugung als Jude durch Erfüllung jüdisch-religiöser Gebräuche gefährlich war, ist bekannt, und daher nennt auch der Thalmud diese Zeit שעת הסכנת, die Zeit der Gefahr. Im Allgemeinen wird darauf in Mechiltha zu 2. Mos. 20, 5 (Bachodesch ha-schelischi 6. 6 Ende, angef. Jalkut § 292) angespielt, wo als diejenigen, welche Gott wahrhaft lieben und in solch liebender Hingebung seine Gebote üben, die in Palästina Wohnenden bezeichnet werden, weil sie für die pflichtgetreue Geboterfüllung ihr Leben hinzugeben nicht anstehn. ״Was ist mit Dir, daß Du umgebracht wirst? Weil ich meinen Sohn beschnitten, warunr Du verbrannt? weil ich in der Thorah gelesen, warum Du gehängt? weil ich Mazzah gegessen, warum Du gegeißelt? weil ich den Lulab genommen." Das sind einzelne Beispiele, welche durch andere Mittheilungen ergänzt werden. Wir haben Bd. I. S. 199