Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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in. Ueber den ersten Vers der Genesis. 253 Revision. Die Sprache ist keineswegs so alterthümlichals gewöhnlich angenommen wird; das Wort רקיע z. B. kommt sonst nur bei Ezechiel und Daniel und Ps. 19 und 159 vor, was sich schwerlich damit erklären läßt, daß es ein Archaismus sei, den die späteren Schriftsteller wieder ausgenommen hätten. Am auffallendsten aber ist, daß die Beziehung des Sabbaths auf die Schöpfung, so alt auch derselbe an sich ist, außer Gen. 2, 1—3, nur noch Exod. 31, 17 und in der Erklärung des vierten Wortes Ex. 2V, 11 hervorgehoben wird. Dabei ist in der Stelle Exod. 31, 12 ff. das Wort nÄnv (V. 14. S. Knobel z. St.) und das stark anthropomorphistische ינפש zu beachten, welches außerdem nur noch Exod. 23, 12 und 2. Sam. 16, 14 (an beiden Stellen aber nur von dem Menschen) gebraucht wird. Unmöglich aber hätte in der Fassung des Dekalogs Deut. 5, 15 die Schöpfung ganz übergangen und statt derselben der Auszug aus Aegypten gesetzt werden können, wenn Ex. 20, 11 bereits Vorgelegen hätte und die erste Schöpfungsgeschichte so alt wäre, als gewöhnlich angenommen wird?) Solche Stellen wie Gen. 1, 2, die zu dem groben Mißverständnisse veranlassen konnten, daß die Bibel von heidnischen Grundanschauungen ausgehe, erfordern übrigens eine besondere Erörterung, die ich mir noch Vorbehalten muß. Hier wollte ich vorläufig nur dem בראשית ברא אלהים seinen ungetrübten altherkömmlichen Sinn zu wahren suchen, um dann auf die Conception des ganzen Abschnitts und der mit ihm zusammenhängenden Stücke genauer einzugchen. So sehr man auch den ersten Abschnitt der Genesis von jeher bewundert hat, so ist ihm doch seine rechte geschichtliche Stelle und Bedeutung noch nicht angewiesen worden. Gen. 1, 1—2, 3 ist ein Stück ganz eigener Art, bei dem von heidnischen Begriffen am wenigsten die Rede sein kann. Es ist ein Höhepunkt der reinsten und allgemeinstem Ideen der Religion, in dem die zwei verschiedenen Grundrichtungen, die durch die ganze Bibel hindurch- *) Nach Knobel (Vorbemerk, zu Ex. 20 Nr. 1) ist die deuteronomische Begründung der Sabbathfeier ״eine später aufgekommene Ansicht." Mein es wäre unerklärlich, daß sich eine solche Ansicht gebildet hätte, nachdem der Grundgedanke der ersten Schöpfungsgeschichte gegeben war. Eine der schwächsten Seiten der Annahme von einer s. g. Grundschrift scheint es mir auch zu sein, daß der Dekalog in dem Plane derselben keine Stelle gefunden haben soll.