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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 243

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 243 (sequence 83)
Language
German
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ui. Ueber den ersten Vers der Genesis. 248 beantwortet. Die ersten Worte der Bibel konnten besagen, daß Gott im Anfänge den Urstoff aller Dinge geschaffen, und dieses wäre dann die eigentliche בריאה, während in den folgenden Versen berichtet wird, wie Gott die Welt geordnet hat (,תקון עשיר)• Dabei konnte man die ganze Schöpfung der Materie sammt der Bildung des Lichtes als Werk des ersten Tages betrachten oder auch die Tagewerke erst mit dieser beginnen lassen. Diese Ansicht, die auch theilweise in die (S.242Anm.2) erwähnte Streitfrage zwischen den Schulen Schammai's und Hilel's hmeinspielt, findet sich im Talmud (Chag.), in dem bekannten Satze: אמר רב יהודה אמר רב :י׳ דברים נבראו ביום הראשון ואלו הן: שמים וארץ, תהו ובהו, אור וחשך, רוח ומים, מרת יום ומרת לילה- So wenig auch diese Erklärung dem Wortlaute des Textes entspricht, dem an und für sich die philosophische Speculation fremd ist, so ist doch damit die absolute Schöpfung aus Nichts in ihrer ganzen Konsequenz aufgefaßt. Sie trifft auch den Grundgedanken der Schöpfungsgeschichte, vorausgesetzt, daß V. 1 den freien Willensaet Gottes hervorhebt, der die Welt auch ihrem Stoffe nach geschaffen und dann diesen geformt und geordnet hat (S. Knobel zu 1, 1). תהו ובהו ,מים ,חשך sind zwar, dem Texte zufolge, keine besonderen Schöpfungen, bezeichnen aber doch den rohen ungeordneten Weltstoff, den Gott ins Dasein gerufen hat.*) Hierbei kommt nun zunächst die Bedeutung des Wortes ברא in Betracht. Wenn dasselbe auch nicht geradezu ein Schaffen aus Nichts' bezeichnet, so steht doch fest, daß es in den uns vorliegenden Schriften im Kal nie von menschlichem Hervorbringen, sondern nur von dem ♦) Daß die Finsterniß als etwas Wesentliches betrachtet wird, kann nach biblischer Anschauung (vgl. 1, 4, Hiob 38, 19.20) nicht auffallen. Vielleicht dachte man sich, sofern überhaupt darüber reflectirt wurde, das Licht anfangs, mit der Finsterniß vermischt (בערבוביא), wie ja nach einer ähnlichen Vorstellung der Abend ערב heißt. — Die Feststellung der Zeit («מדת יום ומרת לילה) gehört wesentlich zum Grundgedanken der Schöpfungsgeschichte, deren Mittelpunkt die Sabbathidee ist. Wie räumlich, hat Gott auch zeitlich Alles geschieden und begrenzt, und Licht und Finsterniß, Tag und Nacht, jedes an seiner Stelle und in seiner Ordnung ist gut. Nicht die Zahl der Werke, sondern die Zahl und Ordnung der Tage ist Hauptzweck der Darstellung. Daher ist es gewiß unrichtig, wenn angenommen wird, daß die uns vorliegende Eintheilung der Tagewerke aus einer Umgestaltung hervorgegangen sei. 16*

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