Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2420973-2420979-2420982--0569-2421647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11. Proben neuerer hebräischer Sprachgelehrsamkeit. 230 Kritiker ist es, der die entschiedenste Mißbilligung des Verfahrens Hervorrufen muß. Sogleich bei Besprechung der zusammengehörenden, alphabetisch angelegten, aber jetzt hie und da in der alphabetischen Ordnung gestörten Psalmen 9 und 10 zeigt sich Entfremdung vom hebräischen Sprachgeiste. Soll בי הלל Ps. 10, 3 wirklich als unpassend beseitigt werden, so darf es, um ein Mem am Anfänge zu erhalten, nicht mit Wegwersung des כי in מלל geändert werden. Damit Vers 5 mit einem Nun beginne, kann יחילו nicht in נהל verwandelt und mit Herrn Böhmer erklärt werden: ״er besitzt, hält fest, behält bei seinen Weg"; es ist überflüssig, das Unhebr. dieser Construction erst zu beweisen. Was soll man aber gar dazu sagen, wenn für die Worte Vers 6 JTD אשר לא mit anderer Worttheilung und Punctation vorgeschlagen wird: אשר לאב? Wohl Dir, lieber Leser, wenn Du dies nicht verstehst! Es ergeht mir nicht besser oder vielmehr nicht schlimmer. Herr Böhmer versteht es natürlich und übersetzt mit Hinzunahme des vorangehenden ״ :לרר וררGeschlecht zu Geschlecht stolzirt er, dürstet Böses"! Was Herrn Böhmer drängt, in V. 12 אל נשא ירך zu ändern, ist nicht wohl einzusehen; seine Aenderung aber ist kläglich, er liest נשא und übersetzt den ganzen Vers: Steh' auf, Ewiger! einfordernder Gott! Deine Hand vergesse nicht die Bedrückten!! Der ״einfordernde Gott" muß dann auch Ps. 99, 8 statt des tragenden, duldenden Gottes, נשא, wie unser Text, entsprechend dem עניתם des ersten Versgliedes liest, ohne Grund auftreten. ״Daß die Hand vergessen kann, fällt (Herrn Böhmer nämlich) nicht auf, wenn man sich erinnert an Job 28,4: Die vom Fuße Vergessenen, d. h. im Stich Gelassenen, denen der Fuß den Dienst versagt." Aber auch die Hiobstelle ist falsch aufgefaßt; ״die von einem Fuße Verg-essenen" heißt nicht, ihr eigener Fuß vergesse sie, sondern es begegne ihnen kein fremder menschlicher Fuß, weil sie, wie es nachher heißt, unten im Bergwerke von allen Menschen abgeschieden, hinweggewankt. Ps. 16, 5 mag אתה תומיף גורלי fehlerhaft klingen, aber daraus zu machen: (תומי (תמי אתה ,בגורלי zur ersten Vershälfte zu beziehen, die dadurch ebenso maßlos lang wird wie die zweite kurz, und zu übersetzen: mein Wohlstand ist gemäß meinem Loose, mit der Erklärung: ״nämlich da Gott sein Erloostes ist, so läßt sich denken, wie gut es ihm geht", — ehe ich mich dazu entschließen kann, bleibe ich lieber beim