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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 234

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 234 (sequence 74)
Language
German
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234 11. Proben neuerer hebräischer Sprachgelehrsamkeit. Vocalisation, also blos durch eine Abweichung von der Exegese der Punctatoren, die Auffassung berichtigt werden. Ob dies so häufig zu geschehen habe, wie Herr Böhmer glaubt, bleibe dahingestellt; das Princip aber ist richtig, um so mehr, als wir meistens nicht die Punctatoren eines schülerhaften Jrrthums zu zeihen haben, wenn wir von ihnen abweichen, sondern sich wohl Nachweisen läßt, daß sie von ihren religiösen Anschauungen aus den Text in einer Weise zu deuten sich gedrungen fühlten, die der richtigen Vocalisation widerstrebt, aber durch eine unscheinbare Aenderung in dieser erreichbar schien. Oft ist auch, fährt Herr Böhmer fort, nicht einmal die Wortabtheilung richtig getroffen, sondern erst durch Zurückgreifeu auf die scriptio eontinua der Buchstaben herzustellen. Hier müssen wir schon bedenklicher werden. Mit Absicht wird eine solche vollständige Aenderung der Worte durch eine andere Abtheilung und damit zusammenhängende Vocalisation von den Punctatoren kaum unternommen worden sein; das mußte Ln ihren Augen als ein ebenso schweres Handanlegen an den Text erscheinen wie eine Aenderung der Buchstaben, und zu beiden! entschlossen sie sich wohl nur bei dringender Nöthigung. Daß es aber aus irriger Auffassung geschehen sei, das setzt ein solches völliges Versiegen lebendigen traditionellen Verständnisses, eine solche gänzliche Verkennung des Sinnes von Seiten der Punctatoren voraus, daß wir die Urheber dieses ״unschätzbaren Commentars" vor der Bezüchtigung solcher Unwissenheit ernstlichst verwahren müssen. Weit eher geben wir bereitwillig zu, ״daß eine Vertauschung der vom Vers, geschriebenen Buchstaben mit anderen, also eine wirkliche Textverderbniß, eingetreten sei", eine Behauptung, von der auch Herr Böhmer sagt, es sei ״ganz unverkennbar, daß auch dies in der That mitunter vorgekommen", und es ist weit natürlicher, dieses anzunehmen, was bei so alten Schriften durch Zufälligkeiten, sorglose Abschreiber und dergleichen so leicht sich ereignet, als kundigen und sorgsamen Schriftforschen! arge Schnitzer zuzumuthen. Herr Böhmer hält sich auch nicht so streng an seinen Kanon, und die Berichtigungen, welche er nun zu einzelnen Stellen der Psalmen vorschlägt, beziehen sich ebenso auf Aenderung von Buchstaben wie auf andere Zusammensetzung der Wörter und abweichende Vocalisation. Wir würden auch über diese Grundsätze im Allgemeinen mit ihm nicht zu rechten haben, wenn nur irgendwie die vorgeschlagenen Lesarten die leiseste Spur eines gesunden Sprachgefühls verriethen; der Mangel aber gerade dieser unentbehrlichen Voraussetzung bei dem

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