Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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ir. Proben neuerer hebräischer SprachgeLehrsamkeir. 23t Versanslegung gefolgt seien. Indem nun jene jetzt zur Besonnenheit zurückkehrten, fingen diese an, ״ins Maßlose zu amendiren, an welcher hyperkritischen Richtung offenbar Leichtsinn, Nachahmungstrieb und Widerspruchslnst ihren Antheil hätten". Herr Grätz, von aller unedlen Leidenschaft frei, ״ein lebendiger Träger der heiligen Sprache und der heiligen Schrift", will nun die ״echte Kritik" üben, wie ״sie das wissenschaftliche Durchdringcn erheischt", ״die Bibelexegese und die dazu gehörigen HülfsWissenschaften aufbauen, um den Schwankungen und Willkürlichkeiten ein Ende zu machen". ״Cs müssen vor Allem feste exegetische Grundsätze ausgestellt werden, die ihre Gewißheit in sich tragen, und deren Nichtachtung ebenso unmöglich sei, wie die Verkennung der mathematischen N o ra n s sc tz u n g e n." Von dieser ״mathematischen" Sprachbchandlung wird uns nun eine Probe mitgetheilt unter der Firma: Buchstaben- Transposition. Daß Wörter und Stämme Vorkommen, die mir versetzten Buchstaben dasselbe bedeuten, wie שמלה und כשב ,שלמה und הרג ,כבש und הגר und ähnliche, ist eine altbekannte Sache, aber ein ganz Anderes ist es, wenn Stämme und Formen, welche eine feststehende Bedeutung haben, ausnahmsweise ein oder einige Male in einer ganz anderen Bedeutung Vorkommen sollen, die ihnen sonst nie eignet, wohl aber einem Stamme, der zwar aus denselben Buchstaben, aber in ganz anderer Reihenfolge besteht. Wenn מברה Ezech. 17, 21 — מבהר sein und ״allserwählt" bedeuten soll, während ברה nie etwas Anderes als fliehen bedeutet, רעש immer Sturm, plötzlich Jes. 9, 4 für רשע, Bosheit, הבר W2, Genosscnschaftshaus, Spr. 21, 9. 25, 24 (vgl. Urschrift S. 121) für רהב wir, ein weites geräumiges Haus stehen soll u. dgl., so ist das nicht allein keine ״mathematische" Schrifterklärung, sondern es spricht allen vernünf- Ligen Sprachgesetzen Hohn, einem Schriftsteller solche, jeden Hörer wie Leser verwirrende willkürliche Umsetzungen zu gestatten. Das soll auch wohl blos unter der unschuldigen Firma von ״Buchstaben- Transposition" eingeschmuggelt werden, ist aber nichts Anderes als eine gewöhnliche Conjectnralkritik, die Aendcrungen vorschlägt, deren Berechtigung sehr fraglich ist. Herr Frankel scheint auch den Schalk in seiner harmlosen Larve erkannt zu Huben, und die versprochene Fortsetzung der Proben ״mathematischer" Bibelexegese unterblieb während der folgenden drei Jahre. Im Kreise der christlichen Schriftforscher sieht es recht trübselig