Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2420979-2420982--0563-2421641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ir. Proben neuerer hebräischer Sprachgelehrsamkeit. 229 splittert sich Alles und zerklüftet sich, es nagt das Gefühl der Ohnmacht. Das ist das tiefste Wehe eines Volkes, daran bricht das Herz, daran bricht auch die geistige Kraft. So sollte es Ln Israel nicht werden, es sollte wohl Schweres auf ihm lasten und es dennoch sich wieder aufraffen. Es giebt einen Punkt, den kein Volk sich verletzen läßt, um den es ringt mit aller Macht seiner Seele, zu dessen Vertheidigung es alle Kräfte wachruft, das ist sein Herzpunkt. Auch Israel ward an seinem Herzpunkte angegriffen, das war der Glaube, der durch die Berührung mit dem Griechenthum gebrochen werden sollte. Da entstand ein Kampf um das innerste Leben, und neu gestärkt ging das Judenthum daraus hervor. II. Proben neuerer hebräischer Sprachgelehrsamkeit. Es herrscht noch eine große Verwilderung auf dem Gebiete der semitischen Sprachkunde. Nicht btos Assyrier, Phönizier, Nabatäer müssen bei Manchen eine Sprache reden und Gedanken ausdrücken, die aufs Buntscheckigste zusammengewürfelt sind, sondern auch Völker, von denen wir eine zur Erkenntniß ihrer Sprache und Anschauungsweise genügende Literatur besitzen, werden auf die willkürlichste Weise mißhandelt. Von einem semitischen Sprachgefühle, einem Eindringen in Geist und Ansdrucksweise der Dialekte ist gar nicht die Rede; die baarste Willkür schafft Bedeutungen, Constructionen, Gedanken, welche bei nur irgend welcher Vertrautheit mit dem inneren Leben der Sprache unb des Volkes alsbald als unmöglich sich erweisen. Was im Syrischen nach dieser Richtung hin geleistet werden kann, hat uns Herr Land in seinen aneedota Syriaca (Leyden 1862) gezeigt, und habe ich genügend darüber in der Zeitschrift der deutschen morgenlä'ndischen Gesellschaft Bd. XVII. S. 752—62 gesprochen. Für das Samaritanische tritt als unwillkommener Beleg der fast einzige Arbeiter auf diesem Gebiete, Herr H eid e n h e i m, auf. Wie er samaritanische Texte wiedergiebt und auffaßt, habe ich in einem Artikel der genannten Zeitschrift Bd. XVI. S. 725—28 nachzewiesen, und zwei andere noch eingehendere Artikel werden daselbst folgen. Das Hebräische jedoch sollte man vor solcher Mißhandlung geschützt glauben. Die