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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 228

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 228 (sequence 68)
Language
German
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228 1. 6. Priesterherrschast. fügigkeit der Ergebnisse ein. War es doch eine zweite Geburt, die nun geschehen sollte, und es zeigt sich da bald, daß man mit einer gewissen Aengstlichkeit verfuhr, nicht aus dem lebendigen, schassenden Geiste schöpfte, sondern mit peinlicher Rücksicht das Alterthümliche, und wenn es auch nicht mehr in die Zeit hineinpaßte, bevorzugte. Wieder trat Priesterthnm und Opferdienst alsbald in den Vordergrund, ja um so mehr, als in Juda das Davidische Geschlecht und die treu gebliebenen Priester, die Söhne Zadoks, zu hohem Ansehn gelangt waren und diese als die natürlichen Führer betrachtet wurden, um die sich alle schaarten, und die ersten Gründer auch die Nachkommen dieser beiden Geschlechter waren, ein Nachkomme Davids und ein Nachkomme der Söhne Zadoks. Da nun der neue Staat doch die Lchnsherrlichkeit unter Persien tragen mußte, so war es natürlich, daß der regierende Davidide von geringerer Bedeutung war, der hohe Priester sich die höchste Ehre erwarb und so eine Priesterherrschaft sich bildete, ein Adel, der zugleich auf seine Heiligkeit pochte, eine Familie, die ihre persönlichen Ansprüche mit denen des Heiligthums identificirte, ihre menschlichen Leidenschaften in das heilige Gewand kleidete. Jener große Seher sprach daher auch harte Worte aus gegen diejenigen, die sich ihrer angeborenen Heiligkeit rühmten, sich brüsteten mit ihrem vornehmen Stamme, welche den Gottesknecht, der aber doch der einzig treue ist, jenen Mittelstand, der sich eng anschloß an das Alte und Heilige, aber nicht zu den Herrschenden gehörte, verhöhnten, obwohl er doch der Mittelpunkt war des staatlichen und religiösen Lebens. Wir hören Klagen ertönen über den tiefen Druck, über den inneren Verfall, und dazu kam, daß das Volksleben sich nicht kräftigen konnte; es hatte sich nicht von innen heraus erzeugt, es war ein Geschenk von des persischen Königs Gnaden. Aber eine geschenkte Freiheit ist ein abgebrochenes Reis, das keinen mütterlichen Boden hat, das verwelkt und dahinsiecht. So war tiefe Betrübniß in das Volk eingekehrt, ein gewisses Verzweifeln an sich selbst. Manche trübe, verzweifelte Worte, die wir aus dem Munde des Predigers hören, sind aus jener Zeit ganz heraus geschrieben; es ist die Unsicherheit, die sich des ganzen Volksgeistes bemeistert, wenn das innere und äußere Leben angetastet wird, wenn die Bildung sich zu hoher Stufe emporgeschwungen hat und dennoch ihren vollen Ausdruck nicht finden darf. Es war, wie der Prophet es sagt: Es sind die Kinder zum Durchbruche gekommen und ist nicht Kraft da zur Geburt. Es will sich nichts entwickeln, es zer-

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