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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 222

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 222 (sequence 62)
Language
German
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r. 6. Eril. LLL die Welt verbreiten zu können, ein solches Volksthum mag als Staatsthum aufhören, aber seinem innersten Wesen nach ist es nicht gebrochen. Juda fiel, aber das Jndenthum fiel nicht mit. Das Judenthum, — denn das ist eben der Name, wie ihn von da an die Offenbarungslehre trug und tragt, — das Judcnthum ist der volle Ausdruck der Offenbarungslehre und darum ist für die Religion Jnda's der bezeichnende Name: Judenthnm. Lasten Sie uns diesen Namen auch als einen Ehrennamen tragen und bewahren! Es ist auf diesen Namen und auf den Namen seiner Genossen viele Schmach gehäuft worden, der Hohn hat sich um ihn gelagert, und deshalb ist er oft von den Genossen mit einer gewissen Acngstlichkeit betrachtet worden; man möchte ihn gerne mit einem andern vertauschen: Jsraeliten, mosaische Glaubensgenossen u. dgl. m. Wir find aber nach dem engeren Begriffe keineswegs Israeliten. Wir sind Israeliten als die Nachkommen Jakobs oder Israels, aber nicht Israeliten als die Genossen des Reiches Israel. Wir sind nicht mosaische Glaubensgenossen allein, wir hangen nicht blos an dem engen Gesetze, wenn es auch unser Symbol ist, das umfassende Buch, das von Anfang bis zu Ende die Gottcslehre in sich schließt. Weisen wir nicht zurück die großen Männer, die in Juda entstanden sind, die Jesajas und Jeremias, die Dichter der Psalmen und Hiob, sie sind mit der lebendige Geist, sie sind der wahrhafte Quell, der das Ganze durchströmt, und wenn wir uns wie die Ephraimiten blos an den tobten Buchstaben des Gesetzes halten wollen und nicht den geistigen Quell aufnehmen, dann sind wir freilich keine Juden, aber wir verdienen es auch nicht zu sein. Juda fiel, aber das Judenthum blieb auch dann, als Juda in die Gefangenschaft getrieben wurde; denn auch ihm war das Loos nicht erspart worden, es fiel unter die Macht Babylons. Aber cs war in sich gefestet, und nun bewährte es sich, daß es eine höhere geistige Macht in sich trug. Wohl hing cs in der Gefangenschaft die Harfe an die Weiden, cs wollte nicht singen das Lied Zion's, es strömte die Klage aus seinem Herzen, cs strömte aber auch das volle Bewußtsein aus ihm empor, daß die höchsten Güter mit ihm in die Gefangenschaft gewandert und nicht der Verkümmerung preisgegeben waren. Es war nach Babylon ausgewandert, und wie denn in der Geschichte dieses Volkes Alles providentiell ist, überall die Leitnng einer höheren geschichtlichen Macht sich kundgiebt, so auch in dem Geschicke, das ihm nun ward. Nicht lange blieb es unter ba-

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