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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 221

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 221 (sequence 61)
Language
German
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l. 6. Eril. 221 vollen Leben gelangten sie nicht, und so sanken sie immer tiefer in geistige Verkommenheit, in bürgerliche Vertrocknung, ihre Anzahl schwand mehr und mehr dahin, sie konnten sich nicht losreißen von dem Fleckchen, das ihnen allein immer neue Nahrung gab; die Idee in ihnen war keine menschheitliche, die in die ganze Welt getragen werden konnte, sie mußten sich an ihrer Mutterstadt festhalten. Da -lebten sie, da leben sie noch heute, zusammengeschmolzen aus etwa hundert Familien, und so sehen sie dem Untergang entgegen, um fortzuleben in der Erinnerung an eine große Jugendzeit, die aber, weil sie sich nicht zur Manneskraft zu erheben vermochte, auch in der Mitte abbrach. Juda war es, welches die Entwickelung voll und ganz übernahm und durchführte. In Juda, in seiner engen Einheit, in seinem Durchdrungensein von dem Glauben an den Einzigen, der als der Reine und Unbildliche gefaßt wurde als ״er ist", in diesem Glauben, der in ihm sich vollständig verkörperte, der, wie er selbst eine Einheit Ln sich trägt, auch Einheit erzeugte in allen seinen Einrichtungen, in ununterbrochener Folge innerhalb seines Königsgeschlechtes, Einheit Ln seinem Tempel und allen seinen Anordnungen, mit lebendigem, sittigendem Geist in allen seinen Aeußerungen, die diesem Glauben entstammten: Juda war es, das zur wahren Manneshöhe heranreifte und die Offenbarung sichre zur vollen Lebensmacht gestaltete. In ihm entstanden dann auch diese großen Männer, deren umfassende Werke, aber warum nennen wir sic Werke? deren umfassende Lebens- Worte, Lebensthaten uns bis auf den heutigen Tag als ein Lebenspendendes zugekommen sind. Inda war es, das in sich die Idee so mächtig ausbildete, daß sie auch nicht mehr an einen bestimmten Boden geknüpft sein mußte. Das Volksthum innerhalb Israels war nicht die Mission, die ihm geworden war, nicht durch das Volksthum war Israels Aufgabe erfüllt. Völker, welche blos ihre Staaten zu gründen, zu erhalten, sie eine gewisse Zeit zu bewahren beauftragt sind von der Weltgeschichte, um gleichfalls ihren Beitrag zu erfüllen, sind, wenn sie von den Staaten losgelöst werden, zerschnitten, ihr Leben und Wirken hört dann auf und sie gehen ihrem Untergang entgegen. Ein Volksthum aber, das blos Mittel ist zu einem hö- Heren Zweck, die äußere Erscheinung einer großen, die Menschheit umfassen sollenden Idee, das eine Zeit lang sich sammeln muß. damit eine geeinigte Schaar vorhanden ist, innerhalb deren der Gedanke zum vollen Ausdruck gelangen kann, um dann als vollgekräftigt sich über

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