Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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220 1. 6. Eril. Samaritaner. Jsraelitenthum aufnahmen, aber doch mehr und mehr sich der echt ephraimitischen Idee, also der Grundlage des Judenthums, anschmiegten, die reine Gottesidee in sich aufnahmen und auch zugleich das Leben, wie es aus dieser Gottesidee hervor sich arbeitete, sowohl im sittlichen Verhalten als auch in einzelnen Formcnausprägungen. So fügten sich diese und wurden vollkommen Samaritaner. Allerdings, es war gleichfalls eine überwundene Stufe! Das Reich Israel war zurückgeblieben in seiner religiösen Erkenntniß, und wenn es auch die Grundlage hatte, den lebendigen Geist, der rastlos auf derselben fortarbeitete, wie er in Juda gepflegt wurde, hatte es abgewiesen; es blieb ihm nur das Gesetz Mosis, aber die großen Propheten, die in Juda erstanden waren, Jerusalem als ihren Mittelpunkt betrachteten, auf das Davidische Haus als die Träger des Staats-, Volks- und religiösen Bewußtseins hinblickten, diese großen Propheten mußten sie eifersüchtig und feindselig von sich sernhalten.' Sie hatten den Buchstaben wohl, aber der volle Geist strömte in ihnen nicht le- Lendig und brachte keine edleren Früchte zur Reife, sie klammerten sich darum an ihre alten heiligen Stätten. Sichern, schon zu alter Zeit die Stätte, wo das religiöse Leben gepflegt wurde, es blieb die heilige Stadt, der Berg Garizim, an den die Stadt sich anlehnte, ward als Ort der Offenbarung verehrt, sie die Orte besonderer Gnadeausströmung; das Opfer dort darzubringen, galt ihnen als das Werk der höchsten Frömmigkeit. Die Samaritaner nahmen später gar manches aus der jüdischen Lehre an, sie, die dürftig an der Erkenntniß waren, die blos alte Erinnerungen und Ueberlieferungen hatten, mußten ans dem lebendigen Geistcsquell schöpfen, der im Judenthume immer neu befruchtete; sie nahmen an, aber blos theilweise und nur insoweit, als es ihrer Eigenthümlichkeit nicht gefährlich zu werden drohte. So blieben sie eine sieche religiöse Genossenschaft und erhielten sich als solche dennoch lange. Das ist die Macht selbst der gebrochenen Idee, daß sie als lebenspendend immerhin sich bewährt; sic erhielten sich lange, ja bis zum heutigen Tage, aber ihr Dasein war ein sieches, ihr religiöses Leben ein krank- Haftes, ihre geistige Entwickelung konnte sich nicht erheben, sie Kamwerten sich an die verwitterten Trümmer an, auf denen wohl Moos entsteht, aber keine gesunde, erquickende Pflanze. Selbst zu den Zei- Len, da ein neuer Aufschwung durch die Welt zog und auch diese Gegenden berührte, war wohl wiederum ein Zucken in den erstarrten Gliedern, wollten sich hie und da Einzelne regen, aber zu einem